„Stationäre Pflege darf für Betroffene nicht noch teurer werden“, fordert Caritas-Chefin Eva Maria Welskop-Deffaa und blickt dabei besonders auf die laufenden Themen in der Politik. Denn Gesundheitsministerin Nina Warken plant eine Gesetzesänderung, nach der die Eigenanteile für Pflegebedürftige erst nach 18 - statt wie bisher nach 12 - Monaten gesenkt werden könnten. Kurzfristig entlastet das klar die Kasse, mittelfristig aber unterminiert es das ohnehin schon wenig beliebte Stufenmodell, meint Welskop-Deffaa. Und ehrlich gesagt: Wer sollte es den Leuten verdenken, wenn sie wegen solcher Vorschläge ihr Erspartes lieber rechtzeitig verschenken? Ratgeber sind da offensichtlich längst einen Schritt weiter als die Politik.
Familien stehen dabei besonders im Fokus: Noch immer leisten Angehörige den Hauptteil der Pflege – und genau diese oft übersehene Leistung müsse endlich zuverlässig geschützt werden. Welskop-Deffaa pocht darauf, dass niemand durch die Reform Nachteile bei der beitragsfreien Familienmitversicherung, den nach Kinderzahl geregelten Beitragssätzen oder den Rentenzahlungen für pflegende Angehörige erleiden darf.
Aus ihrer Sicht fußt die Pflegeversicherung auf dem Prinzip der Generationensolidarität: Wer Angehörige pflegt, verdient Respekt – und auch bessere Rahmenbedingungen. Das Bundesverfassungsgericht habe dazu schon mehrfach gemahnt, dass die sogenannten "generativen Beiträge" in der Pflegeversicherung viel stärker gewichtet werden sollen. Ein Punkt, den die Caritas immer wieder ins Spiel bringt – nicht ohne Grund.
Die Caritas zeigt sich angesichts der bevorstehenden Reform der Pflegeversicherung tief besorgt. Sie fürchtet, dass die geplanten Änderungen nicht nur zu höheren Eigenanteilen für Pflegebedürftige führen, sondern auch dazu, dass Familien, die bereits einen Großteil der Pflege stemmen, zusätzlich belastet werden. Bundesweit wächst die Sorge davor, dass durch eine spätere Stufungsherabsetzung der Eigenanteile die soziale Motivation zum Vermögensschutz steigt und die Solidarität des Systems wackelt. Hinzu kommen ungelöste Herausforderungen wie der Fachkräftemangel, steigende Heimkosten und die Frage, wie Pflegebedürftige auch künftig würdig und bezahlbar betreut werden können. Laut aktuellen Pressemeldungen wird schon in wenigen Wochen ein Reformentwurf erwartet, der weitreichende Folgen auch für die Beitragsgestaltung und Familien mit mehreren Kindern haben könnte.