CDU im Clinch: Streit um Teilzeit-Recht innerhalb der Partei

Der Wirtschaftsflügel der CDU will das allgemeine Teilzeitrecht einschränken. Doch ausgerechnet in den eigenen Reihen regt sich dagegen lauter Widerstand.

heute 11:12 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal fragt man sich ja wirklich, woher solche Ideen kommen: Der Wirtschaftsflügel – genauer, die Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU – möchte das Recht auf Teilzeitarbeit massiv beschneiden. Ihr Vorschlag: Wer seine Stunden reduzieren will, braucht einen 'guten Grund', also am besten Kinder, Pflege oder Weiterbildung. Einfach nur so – weil’s besser ins Leben passt oder weil man Luft zum Atmen braucht? Fehlanzeige, meint MIT. Dennis Radtke, der Sozialflügel-Chef der CDU, hält das für einen Irrweg. Er weiß aus Gesprächen: Viele Menschen empfinden Teilzeit nicht als Luxus, sondern oft als Notlösung, weil Betreuungslücken oder Pflegefälle ein Vollzeit-Job unmöglich machen. Er fordert, zuerst genau dort nachzubessern, zum Beispiel bei Kita-Plätzen und Pflegeangeboten. Den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, hält er für grundfalsch: Familien und Einzelne sollen schließlich selbst entscheiden, wie sie Beruf und Privatleben balancieren. Wer will schon Paragraphen studieren müssen, um ein bisschen mehr Zeit für sich zu haben?

Gerade in der CDU flackert wieder ein altbekannter Grundsatzstreit auf: Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion will das Recht auf Teilzeit von einer Begründung abhängig machen, zum Unmut des Sozialflügels, der auf Wahlfreiheit pocht. Aktuelle Medienberichte und Stellungnahmen der Partei zeigen: Die Debatte trifft einen Nerv, denn Arbeitszeitwünsche sind höchst individuell und die gesellschaftlichen Realitäten, speziell rund um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, verändern sich stetig. Hinzu kommt: Erst im Juni 2023 zeigte eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dass mehr als ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten gerne länger arbeiten würde – oft fehlt es aber an Betreuungsstrukturen, flexiblen Modellen und Arbeitgeberkooperation.

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