Hofreiter meint: Die verbleibenden 25 EU-Staaten könnten gemeinsam einen eigenen Finanzierungsfonds jenseits der klassischen EU-Institutionen gründen. "Wenn man das jeweils einzeln machen würde, müsste jeder Staat für die Hilfen selbst Schulden aufnehmen – das wäre weder gerecht noch praktikabel. Ein zwischenstaatlicher Fonds, für den alle gemeinsam bürgen und der das Geld an Kiew weiterleitet, entschärft das Problem," erklärt Hofreiter sinngemäß. Er denkt dabei auch an eingefrorene russische Vermögenswerte, die für die Finanzierung herangezogen werden sollten – allerdings, so sein kritischer Ton, müsse Bundeskanzler Merz diesmal erst einmal tragfähige Mehrheiten organisieren, bevor große Ankündigungen an die Öffentlichkeit geraten. Außerdem, so Hofreiter, müsse der Umgang der EU mit Ungarn insgesamt härter werden. Beispiel: Der massive Geldfluss von Deutschlands großem Rüstungskonzern Rheinmetall nach Ungarn stimmt Hofreiter nachdenklich – zumal es Gerüchte gibt, dass sensitive Informationen aus Ungarn in Richtung Russland oder China abfließen. Der Öko-Politiker plädiert dafür, dass Deutschland und die EU auf mehreren Ebenen Druck auf Orban ausüben sollten, selbst mit Blick auf Wirtschaftsbeziehungen.
Hofreiter will mit einem intergouvernementalen Ukraine-Fonds politisches Blockadepotenzial aushebeln, das vor allem von Ungarn und mitunter der Slowakei ausgeht. Sein Ziel ist es, die finanzielle Unterstützung von 25 EU-Staaten zu bündeln und dabei individuelle Staatsschulden zu vermeiden. Zusätzlich fordert er, nicht nur russische Konten zu nutzen, sondern auch wirtschaftlichen Druck auf Orban zu erhöhen. Laut jüngsten Medienberichten nimmt die Debatte um Europas Unterstützung für die Ukraine an Tempo zu – der Vorschlag, eingefrorene russische Gelder zu nutzen, wird aktuell in mehreren Hauptstädten ernsthaft geprüft und die EU bereitet sich offensichtlich auf ein Scheitern klassischer Konsensverfahren vor. Außerdem betonen mehrere aktuelle Berichte, dass Orbáns pro-russischer Kurs die Einigkeit in der EU zunehmend gefährdet, während parallel dazu neue US-Hilfspakete für die Ukraine bewegt werden und internationale Konferenzen bereits einen Plan B im Blick haben. Viele Analysten messen dem deutschen Ansatz, sich unabhängiger von Orbáns Veto zu machen, auch mit Blick auf künftige EU-Krisen eine Schlüsselrolle bei.