Christian Dürr: Deutschland braucht Mut zur Veränderung statt Schuldzuweisungen an die Menschen

Hamburg – Deutlich, ungefiltert und ein bisschen kämpferisch bringt Christian Dürr (FDP) im BIG BANG Podcast auf den Punkt, was für ihn wirklich schiefläuft in Deutschland: Nicht die Bürgerinnen und Bürger seien schuld an mangelnder Leistung, sondern eine politische Trägheit, die echte Veränderung ausbremst. Mehr Engagement wird oft mit höheren Abgaben quittiert, anstatt belohnt. 'Das Problem sitzt auf der Regierungsbank', so sein Tenor.

heute 11:24 Uhr | 1 mal gelesen

Mit Vorwürfen gegen die Jüngeren, sie seien zu bequem oder gar faul, kann Christian Dürr gar nichts anfangen. Für ihn ist klar: 'Die Gen Z als Leistungsmuffel abzustempeln ist einfach Unsinn.' Was ihn mehr umtreibt, sind Rahmenbedingungen, die fleißigen Menschen den Einstieg ins Berufsleben madig machen – fast die Hälfte des Gehalts geht gleich wieder drauf, was soll da motivieren? Dürr sieht die eigentliche Blockade in der Politik selbst: 'Statt zu erleichtern, wird nur weiter aufgeladen.' Er benutzt eine anschauliche Zug-Metapher: Während Deutschland mühsam nach vorn sprintet, wird unterwegs unnötig Ballast ins Gepäck gestopft – kein Wunder, dass niemand vorankommt. Seine Forderung ist radikal einfach: Mehr Wagnis! Der Staat bremse mutige Wendungen aus und belaste mutige Unternehmer mit immer neuen Regeln. Besonders der Mittelstand – wohl das Rückgrat, aber mittlerweile auch das Sandkorn im Getriebe der deutschen Wirtschaft – empfindet das immer häufiger als lähmend. Dass Frust und Resignation wachsen, wundert Dürr kein Stück. Mit Blick auf Baden-Württemberg sieht er Chancen für einen Neustart, fast schon ein kleines Experiment: Zwei ganze Verwaltungsebenen will die FDP dort streichen. Das klänge fast utopisch, aber Niedersachsen habe es immerhin gezeigt: Radikale Vereinfachungen können Wirtschaftswachstum entfachen. Natürlich gibt es kein einfaches Rezept, aber: 'Überschüssige Bürokratiemäntel gehören ausgezogen.' Im Parteiengefüge sieht Dürr ein schwindendes Vertrauen in die „Mitte“. Viele Leute seien enttäuscht, suchen anderswo Halt – nicht zwangsläufig, weil sie jetzt rechts oder links wären, sondern weil sie wenigstens das Gefühl haben wollen, dass irgendetwas passiert. Die FDP positioniert sich deshalb als „radikale Mitte“: Veränderung aus Überzeugung, nicht aus Verzweiflung oder Ideologie. Extreme Parteien wie die AfD? Für Dürr der sichere Weg in die Sackgasse. Aus seiner Sicht gibt es für Wirtschaft und Wohlstand nur den Weg über kluge, mutige Reformen.

Dürrs brachiale Abrechnung mit der deutschen Leistungsdebatte fußt auf der Ansicht, dass nicht die Menschen, sondern die Politik den Wandel verschläft und bremsende Strukturen verfestigt. Er fordert, Risikobereitschaft zu entfalten – durch schlankere Verwaltung und weniger Abgabenlast, besonders für jüngere Generationen und den Mittelstand. Aktuell verschärft sich die Unzufriedenheit; gerade in Baden-Württemberg experimentiert die FDP mit der Idee, ganze Verwaltungsebenen zu kappen. Ergänzende Einordnung 2024: Laut taz diskutiert Deutschland aktuell verschärft über Bürokratieabbau und Fachkräftegewinnung – viele Unternehmen spüren die Reformverweigerung am eigenen Leib (Quelle: taz.de). In der Süddeutschen Zeitung ist auffällig, dass die Geringschätzung für junge Arbeitskräfte ein immer wiederkehrendes Thema bleibt, wobei neue Studien zeigen: Generation Z bringt durchaus Engagement mit, leidet aber unter strukturellen Hürden und mangelnden Perspektiven (Quelle: sueddeutsche.de). Die Zeit titelt, dass sich im Mittelstand eine Reform-Depression abzeichnet, weil die aktuelle Politik für viele Unternehmer mehr Belastung als Entlastung bedeutet (Quelle: zeit.de).

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