Karin Radström, Chefin von Daimler Truck, brachte es kürzlich in aller Direktheit auf den Punkt: Sollte das Unternehmen die von der EU erlassenen CO2-Grenzwerte reißen, drohen empfindliche Strafzahlungen – die Rede ist von bis zu 120 Millionen Euro für jede Prozentpunktüberschreitung. Das sei, laut Radström, schlicht eine Frage des Überlebens. Klar, niemand bestreitet das Ziel der Dekarbonisierung – im Gegenteil, Daimler Truck sieht sich eigentlich gern als Pionier in diesem Feld. Aber auf dem Papier ist vieles möglich; in der Realität hapert es gerade bei den großen Versprechungen. Die Ladeinfrastruktur? Kaum vorhanden. Die Betriebskosten für Lkw mit alternativen Antrieben? Laut Radström zu hoch, gerade im Vergleich zum Diesel. Und das sei nicht nur die Sicht von Daimler: Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer bei Renault-Trucks Deutschland, sieht die CO2-Ziele wegen der mangelhaften Infrastruktur praktisch als nicht erfüllbar. Die Aussicht auf Strafzahlungen von über 300.000 Euro je Fahrzeug klingt da nicht nach einer Randnotiz, sondern eher nach einem Damoklesschwert für den gesamten Sektor.
Gesetzlich sieht die EU ab 2030 vor, dass Lkw-Hersteller ihre Flotten um 45 Prozent CO2-ärmer gestalten. Doch bereits 2025 werden voraussichtlich erst zwei Prozent der schweren europäische Nutzfahrzeuge elektrisch unterwegs sein, sagen Branchenvertreter. Die Technik ist längst serienreif und könnte auch in großen Mengen gebaut werden. Aber die Kunden trauen sich nicht: Keine zuverlässige Ladeinfrastruktur, fehlende Kostenparität mit dem Diesel. Radström versichert, Daimler Truck wolle jedes Segment auf emissionsfrei umstellen – aber solange die Rahmenbedingungen nicht stimmen, droht ein Wettbewerbsnachteil. Ob Europa als führender Markt für Nutzfahrzeuge bestehen bleibt, ist aus Radströms Sicht offen. Sie vermisst bei den EU-Institutionen jenen Zug zum Tor, der nötig wäre, damit die Branche nicht ins Hintertreffen gerät. Immerhin: Daimler Truck ist kein kleines Start-up, sondern einer der dicksten Fische im globalen Teich – etwa 100.000 Beschäftigte, 50 Milliarden Euro Umsatz. Und trotzdem können politische Vorgaben auch einen solchen Riesen ins Wanken bringen.
Die scharfen CO2-Vorgaben der EU setzen große Nutzfahrzeughersteller wie Daimler Truck unter erheblichen Druck. Während die Unternehmen sich zur Dekarbonisierung bekennen, warnen sie vor Strafzahlungen in Millionenhöhe, die – angesichts fehlender Ladeinfrastruktur und hoher Betriebskosten – existenzbedrohend seien. Branchenweit lässt sich beobachten: E-Lkw sind zunächst teurer in Anschaffung und Betrieb, und viele Speditionen können bei der geringen Reichweite und Ladeproblematik noch nicht mitziehen. Die EU hält an ihren ambitionierten Klimazielen fest, mahnt jedoch selbst Verbesserungen beim Ausbau der Infrastruktur und Unterstützung für die Umstellung auf alternative Antriebe an. Zuletzt hat die Diskussion über künftige Verbrennermotoren und Hybridlösungen an Fahrt aufgenommen – insbesondere auch vor dem Hintergrund geopolitischer Abhängigkeiten bei Batterierohstoffen und energiepolitischer Unsicherheiten.