„Internationale Fußballturniere bringen immer frische Gründe für ein kühles Bier mit sich und sorgen besonders im Sommer für einen ordentlichen Schub bei der Nachfrage“, meint Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund. Ob in wuseligen Kneipen, auf improvisierten Gartenpartys oder einfach zu Hause auf dem Sofa – für viele gehört bei solchen Ereignissen Bier wie selbstverständlich dazu. Eichele glaubt, dass sich dieses Jahr der Konsum mehr ins Private und in kleinere Gastronomien verlagert, da die üblichen Fanmeilen aufgrund der späten Anstoßzeiten kaum stattfinden können. Trotzdem bleibt die WM, auch mit Zeitverschiebung, ein unverzichtbares Ereignis für die deutsche Bierwirtschaft.
Allerdings, so räumt Eichele ein, haben sportliche Großereignisse zuletzt nicht mehr automatisch für volle Bierkrüge gesorgt. Die Euphorie um solche Ereignisse, die einst 2006 zum berüchtigten ‚Sommermärchen‘ geführt hat, ist längst nicht garantiert: 2024 blieb der erhoffte Absatzschub sogar verhalten. Hohe Kosten, eine träge Wirtschaftslage und Konsumzurückhaltung bremsen auch die Bierverkäufe.
Historisch gesehen zeigte sich der Einfluss großer Turniere mit Zahlen: Die WM 2006 lockte Millionen zum Public Viewing, der Bierabsatz schnellte um 140 Millionen Liter nach oben; 2014 wurden gar zwei Millionen Hektoliter mehr verkauft. Doch 2022 war die Branche wegen Wetter und Weltpolitik enttäuscht, der Absatz blieb weit hinter den Erwartungen. Nun ist neben dem Wetter besonders das sportliche Abschneiden der deutschen Elf entscheidend.
Immerhin hat die Regierung Lockerungen beim Lärmschutz ermöglicht, damit Public Viewing – jedenfalls im kleineren Rahmen – auch später am Abend möglich ist. Die Austragung in Amerika 2026 stellt Deutschland dann vor das Problem der Zeitverschiebung: Wenn in Mexiko-Stadt, Toronto oder gar Los Angeles der Ball rollt, ist hierzulande oft schon tiefste Nacht. Bierdurst kennt allerdings manchmal keine Uhrzeit – zumindest hoffen das die Brauer.
Die deutsche Brauwirtschaft hofft trotz ausgefallener Fanmeilen und Zeitumstellungen während der WM auf ordentliche Bierverkäufe, da das Gemeinschaftserlebnis auch in kleinerem Rahmen oder privat bestehen bleibt. Rückblicke auf frühere Turniere zeigen starke Ausschläge beim Absatz, doch die aktuelle Konsumstimmung wirkt eher gebremst. Neben sportlichem Erfolg und Wetter könnten auch gelockerte Regeln beim Public Viewing ein Zünglein an der Waage für die Branche sein.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass der Biermarkt allgemein mit verhaltenem Konsum kämpft, wie mehrere Medien berichten. In den letzten Tagen wurde vielfach über die Bedeutung internationaler Sportereignisse für die Gastronomie diskutiert, unter anderem angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit und stagnierten privaten Ausgaben. Zudem diskutieren Fachleute und Medien, ob die Brauwirtschaft nicht flexibler auf veränderte Konsumgewohnheiten reagieren muss, da jüngere Generationen weniger Bier trinken und alternative Getränke oder alkoholfreie Biere immer gefragter werden.