Yasmin Fahimi zeigt sich ausgesprochen genervt von dem, was ihrer Ansicht nach längst zur Leier geworden ist: Die Behauptung, Gewerkschaften seien kompromissunfähig. Im Gegenteil, betont sie im Gespräch mit T-Online – gerade bei Tarifverhandlungen oder wenn es um Vereinbarungen an einzelnen Standorten geht, seien Kompromisse eigentlich ihr Alltagsgeschäft. Natürlich, so räumt sie ein, gäbe es Grenzen der Zustimmung, besonders wenn scheinbare Reformen präsentiert werden, bei denen Alternativen von vornherein ausgeschlossen scheinen. Abnicken um des lieben Friedens willen? Das ist nicht der Weg der Gewerkschaften. Sie äußert sich auch deutlich zur Debatte um die Polarisierung der Gesellschaft und stellt klar: Die Gewerkschaften heizen diese Spaltung nicht an. Vielmehr würden es diejenigen tun, die beständig den Menschen einreden, sie wären zu krank, zu teuer oder schlichtweg zu bequem – und genau hier nimmt Fahimi die Arbeitgeberseite deutlich ins Visier. Seit über zwei Jahren, so Fahimi, werde dieses Mantra von Teilen der Arbeitgeber beinahe wöchentlich wiederholt. Was den Vorwurf hoher Arbeitskosten betrifft: Auch hier kontert sie. Das ist, sagt Fahimi spürbar genervt, ein altes Lied der Arbeitgeber. Sie fragt, etwas polemisch, ob Deutschland jetzt wirklich in einen Unterbietungswettlauf mit Osteuropa oder gar China eintreten solle – diesen Konkurrenzkampf, so ist sie überzeugt, könne man nur verlieren. Die eigentlichen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sieht sie ganz woanders: Geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise und vor allem die über Jahre verschleppte Weiterentwicklung der Infrastruktur. Irgendwie fühlt sich das alles so an, als schraube man am Motor, während das Fahrwerk schon längst zu wackeln beginnt.
Fahimi machte einmal mehr klar, dass Kompromissbereitschaft schon immer zum Selbstverständnis der Gewerkschaften gehöre, anders als es einige Kritiker gern behaupten. Sie hob zugleich hervor, dass die hiesigen Arbeitskosten keineswegs der Kern des Problems seien, sondern eher strukturelle und geopolitische Herausforderungen sowie hohe Energiepreise im Fokus stehen müssten. Fakt ist, die Debatte wird derzeit hitzig geführt – und wenn man aktuellen Medienberichten glaubt, ist eine Einigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberseite vorerst nicht in Sicht. Ergänzend zeigen jüngste Berichte, etwa von der FAZ, dass die Kritik der Arbeitgeber auch durch aktuelle Tarifabschlüsse zusätzlich befeuert wird, insbesondere vor dem Hintergrund schwächelnder Konjunktur und steigender Lohnforderungen. Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass die Regierung zunehmend versucht, in die festgefahrene Debatte zu moderieren, um Standortnachteile und Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Bei Zeit Online wird deutlich, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewerkschaften trotz aller Kritik nach wie vor hoch bleibt, was sich in einer konstanten oder sogar leicht gestiegenen Zahl von Neubeitritten im laufenden Jahr zeigt.