Die älteste arbeitende Generation Europas: Deutschland an der Spitze

Nirgends in der EU ist der Anteil älterer Beschäftigter so hoch wie in Deutschland.

heute 08:49 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist schon bemerkenswert – fast jede vierte arbeitende Person in Deutschland ist inzwischen zwischen 55 und 64 Jahre alt. Laut frischen Zahlen des Statistischen Bundesamts – übrigens gestützt durch Eurostat-Daten – waren es 2024 rund 9,8 Millionen, die in dieses Lebensalter fallen. Von insgesamt 40,9 Millionen Erwerbstätigen. Dieses Viertel, genauer 24 Prozent, ist europäische Spitze. Ein bisschen überraschend vielleicht, zumindest wenn man – wie ich – bisweilen das Gefühl hat, die Arbeitswelt sei vor allem jung, quirlig, digital. Doch: Italien (23 Prozent) und Bulgarien (22,3 Prozent) liegen ebenfalls weit vorn. Wer mal auf Malta Urlaub gemacht hat, hätte es kommen sehen können: Dort ist es nur gut jeder Neunte, der trotz grauer Haare noch schuftet. Luxemburg und Polen halten es ähnlich jugendlich. Die Gründe liegen auf der Hand – zumindest, teilweise. Deutschlands Bevölkerung altert, das ist kein Geheimnis mehr. Aber auch die Rente rückt für viele in weitere Ferne. Durchschnittlich tritt man hierzulande inzwischen erst mit 64,7 Jahren in den Altersruhestand. Zum Staunen: 2004 lag das Alter noch bei etwas über 63 Jahren. Tja, und die Politik? Die hat das gesetzliche Rentenalter schrittweise auf 67 angehoben, die attraktiven Vorruhestandsmodelle verschwinden langsam, ein Einstieg in die Rente mit 60 ist meist passé. Vielleicht steckt hinter all dem mehr als nur Demografie. Es ist wohl auch ein Bild vom neuen, alternden, aber noch mittendrin stehenden Arbeitsleben.

Deutschland steht innerhalb Europas mittlerweile an der Spitze, wenn es um den Anteil älterer Menschen in der Erwerbsbevölkerung geht. Fast ein Viertel der Erwerbstätigen ist zwischen 55 und 64 Jahre alt – ein Trend, der mit der Alterung der Gesamtbevölkerung, dem steigenden Renteneintrittsalter sowie den auslaufenden Frühverrentungsmodellen zusammenhängt. Auch andere EU-Länder wie Italien und Bulgarien verzeichnen hohe Werte, während etwa Malta, Luxemburg und Polen einen wesentlich jüngeren Arbeitsmarkt aufweisen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf weitere Berichte aus den letzten 48 Stunden, dass die Diskussionen um die Zukunft des deutschen Rentensystems, die Integration älterer Arbeitnehmer und die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts deutlich zunehmen. Fachleute mahnen an, dass Wirtschaft und Politik kreativer auf die Herausforderungen reagieren müssen: von lebenslangem Lernen bis zu altersgerechten Arbeitsbedingungen. Eine interessante Entwicklung ist die Zunahme der betrieblichen Weiterbildungen speziell für über 55-Jährige, was darauf hindeutet, dass Unternehmen dieses Segment als ressourcenschonende Antwort auf den Fachkräftemangel begreifen.

Schlagwort aus diesem Artikel