Audretsch betont, dass eine Absenkung des Rentenniveaus kein gangbarer Weg sei: Altersarmut würde dadurch zunehmen – besonders gefährdet seien Frauen. Merz habe jüngst gefordert, der Schwerpunkt müsse künftig stärker auf privat und betrieblich organisierten, kapitalgedeckten Modellen der Altersvorsorge liegen. Audretsch hält dagegen, dass die gesetzliche Rentenversicherung das Fundament bleiben müsse, pocht jedoch auf Reformen: 'Warum zahlen Abgeordnete eigentlich immer noch nicht ein?' – für ihn ein Kernproblem in Sachen Gleichberechtigung und Fairness. Die Grünen favorisieren ein neues Modell für die private Vorsorge: einen öffentlichen Bürgerfonds, wie ihn Schweden bereits erfolgreich umgesetzt hat. Wer nicht mitmachen will, solle aussteigen können, aber so bekäme die private Altersvorsorge eine glaubwürdige Alternative zur wenig erfolgreichen Riesterrente. Deren Scheitern liegt laut Audretsch auch daran, dass niemand mehr Vertrauen in das Produkt habe: 'Es braucht einfach einen kompletten Neustart.' Niedrige Gebühren, staatliche Absicherung, solide Rendite – so stelle er sich die neue kapitalgedeckte Säule vor. Kritik an der Union: Bislang fehle es an konkreten Vorschlägen zur Reform der privaten Altersvorsorge.
Die aktuelle Rentendebatte offenbart tiefe Gräben zwischen Regierung und Opposition: Während Merz auf mehr privatwirtschaftliche Eigenverantwortung setzt, warnen die Grünen vor den sozialen Risiken eines abgesenkten Rentenniveaus, besonders für Frauen. Der öffentliche schwedische Bürgerfonds dient den Grünen als Vorbild für ihre Reformvorschläge, während sie der Union Konzeptlosigkeit vorwerfen. Auch Abgeordnetenprivilegien in puncto Renteneinzahlungen stehen wieder am Pranger.
Ergänzend haben Medien wie die „Süddeutsche“ berichtet, dass Arbeitsminister Heil ein festes Rentenniveau und die Einführung einer „Aktienrente“ plant, um die Finanzierung angesichts der demografischen Herausforderungen stabiler zu machen. Laut FAZ ist dabei umstritten, ob ein öffentlicher Fonds wie in Schweden tatsächlich das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und die Rentenlücke schließen könne, zumal Fachleute auch auf systemische Risiken und Umverteilungsfragen hinweisen. Die „Zeit“ sieht im politischen Streit um die Rentenreform das Dilemma, dass kurzfristige politisch motivierte Debatten oft tragfähige, generationengerechte Kompromisse verhindern.