Grünen-Politiker Audretsch spricht sich für Umwandlung von Minijobs aus

Andreas Audretsch, Vize der Grünen-Bundestagsfraktion, kritisiert das gegenwärtige Minijob-System und plädiert für mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit.

heute 09:59 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal habe ich das Gefühl, das Thema Minijobs schwelt schon ewig vor sich hin – ein bisschen wie ein ungeliebter Topf auf dem Herd, der nie ganz überkocht, aber eben auch nie weggeräumt wird. Andreas Audretsch von den Grünen scheint jetzt endgültig die Geduld verloren zu haben: Er fordert öffentlich, Minijobs so, wie wir sie heute kennen, größtenteils abzuschaffen. Konkreter: Sie sollten bestenfalls noch für Studenten oder Rentner möglich sein, Hauptsache sie ersetzen keine regulären Arbeitsverhältnisse. Etwas provokant sagt Audretsch, dass Minijobs Menschen geradewegs in die Altersarmut schubsen – weil sie Jahre damit verbringen, zu wenig zu verdienen und fast gar nicht einzuzahlen. Klar, wer aufstockt, dem fehlen oft die Stunden, die im Minijob-Modell einfach nicht drin sind. Das eigentliche Problem, so Audretsch, liege darin, dass es Anreize braucht, reguläre Jobs attraktiver und zugänglicher zu machen, statt darauf zu hoffen, dass man durch harsche Kritik oder Beschimpfungen mehr Arbeitszeit aus den Leuten quetscht. Letztlich hält er der Union vor, auf dem Holzweg zu sein – vermutlich, weil dort Minijobs eher verteidigt werden.

Im Kern der Debatte steht die Frage, ob Minijobs – mit ihren niedrigen Sozialabgaben und begrenzten Arbeitsstunden – tatsächlich wie gedacht als flexible Arbeitsform dienen oder doch ein Einfallstor für prekäre Beschäftigungen und spätere Altersarmut sind. Aktuell liegt die Verdienstgrenze für Minijobber bei 538 Euro im Monat; das Risiko, davon im Alter kaum leben zu können, ist vielfach belegt. Während Arbeitgeberverbände das Modell gern als Einstiegsmöglichkeit für Geringqualifizierte bewerben, wächst in der Politik – nicht nur bei den Grünen – die Sorge, dass zu viele Menschen in dieser Sackgasse landen. Die Diskussion ist keineswegs neu: Bereits in den letzten Monaten gab es wiederholt Debatten über mögliche Änderungen beim Minijobgesetz – beispielsweise könnten strengere Regeln und höhere Sozialabgaben helfen, die Attraktivität von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen zu erhöhen. Besonders Frauen sind häufig auf Minijobs angewiesen und laufen Gefahr, im Alter unterversorgt zu sein. Aus unterschiedlichen politischen Lagern kommen dazu sehr verschiedene Lösungsvorschläge: Manche fordern, Minijobs ganz zu kippen oder die Schwelle massiv anzupassen, andere wollen lieber Anreize für Umwandlungen schaffen. Das Thema erhitzt aktuell erneut die Gemüter in Berlin, zumal Tarifbindung, Arbeitsmarktdynamik und Rentenpolitik mit hineinspielen. In anderen EU-Ländern gibt es für Mini- oder Nebenjobs oft strengere Auflagen oder stärkere staatliche Kontrollen.

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