Disco lebt! ARTE wirbelt den Sommer mit Glitzer, Rebellion und ausgelassenen Beats auf

Straßburg – Disco klingt in diesem Sommer wieder in allen Farben und Facetten auf. Ursprünglich geboren in den 70ern zwischen queeren Communities, Black und Latinx-Kulturen, erlebt der Klassiker ein energiegeladenes Comeback. Zum Anlass nimmt ARTE das und rollt mit dem 'Summer of Disco' von Ende Juni bis Anfang August eine bunte Welle aus Filmen, brandneuen Dokus und legendären Konzerten online wie im Fernsehen los.

heute 11:23 Uhr | 2 mal gelesen

Vielleicht ist Disco das widersprüchlichste Musikgenre überhaupt – irgendwo zwischen Party, Protest und paillettenbesetztem Traum vom Anderssein. Schon in den 70er Jahren war sie Taktgeber gesellschaftlicher Verschiebungen, Zufluchtsort für Menschen, denen anderswo die Türen verschlossen blieben. Heute, im Zeitalter von queerer Sichtbarkeit und Identitätspolitik, ist der Funk keineswegs abgeklungen. ARTE schüttet deshalb Glitzer auf den Sommer und lädt mit dem 'Summer of Disco' zur Zeitreise mit Gegenwartsbezug ein. Filmfans können Klassiker wie 'Fame' oder 'Saturday Night Fever' (John Travolta strahlt dabei mit seinem weißen Anzug um die Wette) wiederentdecken – Konflikte, Hoffnung, Absturz, alles da. Mit 'Scarface' mischt sich ein düster-schillernder Schatten unter die Discokugel: Exzess, Macht und Scheinwerferlicht, direkt aus den Glitzerrändern der 70er. Dazu kommen Dokus: 'I Feel Love' – Donna Summer und Giorgio Moroder als Soundzauberer eines Welthits. Ein abendfüllendes Porträt der Bee Gees folgt den Brüdern, die Disco ins globale Gedächtnis einfrästen. Auch aktuelle Popikonen wie Lady Gaga oder Dua Lipa – beide musikalisch stark mit Disco verwoben – haben ihren Platz im Programm. US-Filmemacher Stanley Nelson liefert mit „We Want the Funk!“ einen funkensprühenden Blick auf Genres, die eng miteinander verbandelt sind. Und dann sind da noch Produktionen wie 'Disco Sucks – Amerikas erster Kulturkampf' oder 'Disco Sex Machine', die verraten, warum Disco einst mehr angefeindet als gefeiert wurde. Konzertmitschnitte bringen die Zeitmaschine richtig zum Vibrieren: Von Cerrone über ABBA, Boney M. oder Kool and the Gang bis hin zu live aufgenommener Magie eines Stevie Wonder – der 'Summer of Disco' will nicht nur anklopfen, sondern Türen öffnen. Letztlich geht es nicht um Nostalgie, sondern um die Kraft von Musik, Brücken zu schlagen: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Glanz und Schmerz, Gesellschaft und Individuum. Wer also meint, Disco sei Geschichte, sollte besser doch das Tanzbein bereithalten.

Disco war und ist viel mehr als der Soundtrack für glitzernde Nächte – sie ist Ausdruck von Befreiung, Zusammenhalt und nicht selten auch von gesellschaftlicher Rebellion. ARTE widmet dem Genre mit dem 'Summer of Disco' eine facettenreiche Sonderserie, die Kino- und Musikfans, aber auch Zeitgeist-Interessierte durch Filmklassiker, exklusive Dokus (etwa über Donna Summer, Giorgio Moroder, die Bee Gees sowie moderne Stars wie Dua Lipa oder Lady Gaga) und legendäre Konzertmitschnitte in eine Ära voller Widersprüche und Utopien entführt. Interessanterweise berichten mehrere aktuelle Medien davon, dass Disco derzeit verstärkt in Mode, Musik und queeren Bewegungen auftaucht: So erlebt etwa die Modebranche einen Retro-Boom im Zeichen blinkender Stoffe und Schlaghosen, während Pop-Stars wie Beyoncé oder Jessie Ware in ihren neuesten Alben gezielt auf Disco-Elemente setzen (dies wurde in Beiträgen der Süddeutschen und der Zeit bestätigt, auch das gesellschaftspolitische Potenzial von Disco-Kultur wird noch einmal ausführlich in der FAZ hervorgehoben). Als Parallele ziehen viele Autoren, dass Disco einst wie heute Ventil für Zeitgeistströmungen und ein Ort der Selbstermächtigung bleibt.

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