DIW-Chef drängt auf Änderung der Immobilien-Besteuerung: Spekulationsfrist soll wegfallen

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), appelliert an die Regierung, endlich die steuerlichen Sonderrechte für Reiche – etwa bei Erbschaften, Grundbesitz und Immobiliengewinnen – über Bord zu werfen. Im Zentrum steht dabei die Forderung, die sogenannte Spekulationsfrist bei Immobiliengewinnen abzuschaffen. Laut Fratzscher behindert das aktuelle System soziale Gerechtigkeit und bremst die deutsche Wirtschaft aus.

heute 00:02 Uhr | 4 mal gelesen

Fratzscher argumentiert, dass Deutschlands Steuersystem eine eigentümliche Schieflage hat: Einkommen aus Arbeit wird massiv zur Kasse gebeten, während große Vermögen auffällig geschont werden. In seiner Einschätzung sorgt das nicht nur für schlechte Stimmung in der Gesellschaft, sondern hat auch reale Folgen – etwa geringere Beschäftigung und gebremstes Wirtschaftswachstum. Sein Vorschlag? Eine gründliche Reform, die vor allem 90 Prozent der Steuerzahler entlastet, die wohlhabendsten 10 Prozent aber stärker in die Pflicht nimmt: zum Beispiel durch einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei vermögensbezogenen Steuern ziemlich mau ab – weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung macht das aus, während Länder wie Frankreich, die USA oder Großbritannien deutlich über drei Prozent liegen. Deshalb, meint Fratzscher, brauche es konkret ein Ende von Ausnahmeregelungen wie die steuerfreie Veräußerung von Immobilien nach zehn Jahren Haltefrist – ein Privileg, das Häuslebauer und Investoren gleichermaßen betrifft, aber vor allem große Vermögen schützt. Auch bei Erbschaft- und Grundsteuern sollte dringend nachgesteuert werden, um Steuergerechtigkeit herzustellen.

Die Forderungen des DIW-Chefs Fratzscher zielen auf eine tiefgreifende Umgestaltung des Steuersystems: Weniger Last für mittlere und geringe Einkommen, deutlich mehr Abgaben für Vermögende. Die Spekulationsfrist bei Immobilien – aktuell zehn Jahre – ist in seinen Augen ein Relikt, das besonders Reiche bevorzugt und dem internationalen Standard nicht entspricht. In der aktuellen Debatte betonen auch andere Ökonomen, dass Steuergerechtigkeit und Chancengleichheit nicht mit dem Status quo zu erreichen sind. Neue Meldungen berichten, dass das Thema Steuerreform in der Ampel-Koalition immer wieder für Streit sorgt – besonders, weil SPD und Grüne eine stärkere Besteuerung von Vermögen fordern, während die FDP auf Entlastung und Investitionsanreize pocht. Die DIW-Position spiegelt damit auch den wirtschaftspolitischen Nerv der Zeit: In den letzten Tagen wurden etwa in den großen Tageszeitungen die Notwendigkeit eines gerechteren Steuersystems diskutiert, um die soziale Spaltung nicht weiter zu verschärfen.

Schlagwort aus diesem Artikel