Wenn man ehrlich ist, kommt einem der Dauerzustand schwankender Katastrophenschutzpläne in Deutschland schon lange fragil vor. Gröhe spricht das klar an: Die ambitionierten Vorhaben der Minister Dobrindt und Pistorius – der sogenannte 'Pakt für den Bevölkerungsschutz' – sind zwar ein Anfang, aber laut DRK-Präsident eher ein freundlicher Anstoß als echte Absicherung. Seine Warnung klingt ungewöhnlich scharf: Wird der Bereich Zivilschutz weiterhin stiefmütterlich behandelt, kostet das im Krisenfall Menschenleben und Ressourcen. Auffällig: Die etablierten Hilfsorganisationen wie das DRK, auf deren Engagement die Politik im Ernstfall baut, sitzen bei den konkreten Militär- und Notfallszenarien oft gar nicht mit am Tisch. Teilweise, so Gröhe, bleiben sogar einsatzrelevante Informationen aus Beratungsgründen geheim. Skurril eigentlich, denn: Wer sich auf die Hilfe Dritter verlässt, sollte diese Akteure wohl auch ins Gespräch einbinden.
Gröhe lenkt den Blick außerdem auf eine Gerechtigkeitslücke: Während bei THW oder Feuerwehr die Freistellung im Job für Einsätze und Übungen geregelt ist, stehen DRK-Ehrenamtliche häufig im Regen und müssen sich Urlaub nehmen, um anderen helfen zu können. Das ist nicht nur ungerecht, sondern dem Ehrenamt abträglich. Mit Blick auf weitere drohende Verschlimmerungen – etwa im Pflegebereich, wenn geplante gesetzliche Reformen zu kurzfristig und ohne hinreichende Gegenfinanzierung durchgeführt werden – fürchtet er: Dann könnten wichtige soziale Angebote des DRK schlicht verschwinden. Ein Gut, das – nüchtern betrachtet – derzeit gebraucht wird wie lange nicht.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Hermann Gröhe, sieht gravierende Defizite beim Bevölkerungsschutz in Deutschland und wirft der Politik vor, die Hilfsorganisationen nicht ausreichend in Planungen einzubeziehen. Gröhe betont, dass ein effektiver Katastrophenschutz eine enge Verzahnung von zivilen und militärischen Akteuren erfordert und fordert bessere Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche, insbesondere in Bezug auf Arbeitsplatzfreistellungen und faire Behandlung. Die aktuelle Diskussion reiht sich in die laufende Debatte ein, wie Deutschlands Infrastruktur, Gesundheitssystem und zivile Notfallvorsorge künftig krisenfester gemacht werden können – insbesondere angesichts neuer geopolitischer Unsicherheiten, wiederkehrender Extremwetterlagen und zunehmend instabiler Lieferketten. Recherchen zeigen außerdem, dass etwa Bundesinnenministerin Faeser bis Sommer eine Neuaufstellung des Bevölkerungsschutzes plant, während Hilfsorganisationen konkret mehr Beteiligung und Planungssicherheit einfordern. Die Frage der gerechten Finanzierung und Absicherung von Pflegeeinrichtungen und Hilfsdiensten rückt dabei bundesweit ins Zentrum nahender Gesetzesreformen.