Wenn ich ehrlich bin: Die Sache ist komplex. Der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider hat gegenüber der 'Bild' betont, dass die Abschaffung von Minijobs in Deutschland seiner Einschätzung nach die Schwarzarbeit rasant steigen lassen würde. Laut seinen ersten Berechnungen könnten dadurch schon 2027 mindestens 25 Milliarden Euro an zusätzlicher Schwarzarbeit entstehen. Schon paradox, denn das Instrument Minijob wurde Anfang der 2000er gerade eingeführt, um Schwarzarbeit zu bekämpfen. Damals ging der Umfang der Schattenwirtschaft messbar zurück – Schätzungen sprechen für 2003 von einem Rückgang um 20 bis 23 Milliarden Euro. Es wirkte fast wie eine gezielte Teillegalisierung der Lebenswirklichkeit vieler Menschen, die ohnehin – sagen wir – etwas informell unterwegs waren. Laut Schneider liegt der jährliche Gesamtwert der Schwarzarbeit in Deutschland momentan bei etwa einer halben Billion Euro. Auch der Chef des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, warnt ausdrücklich: Mit rund 800.000 Minijobbern allein im Einzelhandel käme ein Ende dieser Beschäftigungsform eher einem wirtschaftlichen Schlag ins Kontor gleich. Als Folge einer Abschaffung müssten Unternehmen vermutlich noch stärker auf Automatisierung setzen – doch das kann ja kaum alles auffangen.
Der Kernpunkt: Schneider und Wirtschaftsverbände sehen die Gefahr, dass die Abschaffung von Minijobs keine soziale Verbesserung bringt, sondern den informellen Arbeitsmarkt befeuert. Minijobs haben einst die Schwarzarbeitsquote verringert, indem sie einen pragmatischen Weg zwischen regulärer und illegaler Beschäftigung boten – warum sollte es diesmal anders laufen? Ergänzend zu Schneiders Sicht gibt es aktuelle politische Diskussionen, da die Rentenkommission über Alternativen zur bestehenden Regelung nachdenkt. Seit dem Frühjahr 2024 häufen sich Stimmen aus Wirtschaft und Politik, die vor den Risiken und Nebenwirkungen einer übereilten Reform warnen, gerade angesichts der angespannten Lage am Arbeitsmarkt, Fachkräftemangel und brüchigen Konjunkturprognosen. Gleichzeitig mehren sich gesellschaftliche Debatten über Mindestlohnerhöhungen und gerechtere Arbeitsbedingungen, weshalb einige Gewerkschaften zwar Reformbedarf sehen, jedoch eine Abschaffung für zu radikal halten.