Vor etwa zweieinhalb Monaten schwelte noch Hoffnung nach der Berliner Sudan-Konferenz – hehre Versprechen in Sachen Nothilfe und Schutz für die Zivilbevölkerung. Jetzt, rund elf Wochen später, blicken Menschen in El Obeid stattdessen in den Abgrund. Täglich kommt es zu Drohnenattacken auf alles, was Versorgung verspricht: Von Tanklastern bis zu Lebensmitteltransporten ist nichts sicher. Die Vorräte sind so knapp geworden, dass sich viele fragen, wie lange die Stadt noch überleben kann, bevor der Hunger endgültig übernimmt.
Gerade mal 600.000 Menschen leben in El Obeid, einer Stadt, die unter dem Druck der Kämpfer von den Rapid Support Forces (RSF) beinahe erstickt. Weitgehend eingekesselt – das ist, als würde man Luft holen wollen und merken, es ist einfach nicht genug da. Zivilist:innen geraten zwischen die Fronten: Während die Vereinten Nationen angesichts eines möglichen Großangriffs warnen, wächst die Angst, dass in El Obeid das Grauen von El Fasher wiederholt werden könnte – Massaker, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.
Michael Pfaff von Islamic Relief Deutschland bringt es bitter auf den Punkt: Politische Aufmerksamkeit schützt nicht vor Granatsplittern und öffnet keine blockierten Wege. Was ankommt, sind leere Worte und steigende Preise – für Wasser, für Brot, für das nackte Überleben. Wer vor Ort ist und hilft, wie die Teams von Islamic Relief, schildert, wie das Unsichtbare spürbar wird: Jeder Drohnenangriff, jedes zerstörte Stromkabel, jede verstopfte Straße – das alles schlägt sich auf das tägliche Leben nieder.
Die humanitäre Logistik steht sozusagen im Stau der Angst. Werden Hilfskorridore nicht geöffnet, droht diese Stadt zu einer Todeszone zu werden. Und während draußen die UN und Hilfsorganisationen ringen, rufen Mitarbeitende von Islamic Relief dazu auf, nicht nur zu reden, sondern auch hinzusehen und zu handeln – bevor Nachschub, Hoffnung und Moral völlig aufgebraucht sind.
Statistisch zynisch, geopolitisch horrend – El Obeid ist zugleich Versorgungszentrum, strategischer Knoten für humanitäre Hilfe und, inzwischen, Symbol für das Auseinanderklaffen von internationalen Versprechen und lokaler Realität. Die Forderung ist glasklar: Waffenstillstand, humanitärer Zugang, Schutz der Menschen. Sonst – das hat die Geschichte gezeigt – geht es immer weiter bergab.
Übrigens: Wer sich vor Ort ein konkretes Bild machen möchte, kann über Islamic Relief direkt mit Mitarbeitenden sprechen – sie wissen am besten, wie sich der Ausnahmezustand in El Obeid anfühlt. Presseanfragen sind ausdrücklich erwünscht.
Die Lage in El Obeid spitzt sich zu: Immer mehr Drohnenangriffe, ein fast vollständiges Abriegeln der Stadt und der massive Mangel an Wasser, Lebensmitteln und Kraftstoff lassen eine weitere humanitäre Katastrophe befürchten. Islamic Relief unterstützt vor Ort Zehntausende Vertriebene, stößt aber an immer engere Grenzen. Internationale Stimmen, darunter auch die UN, fordern dringend ein Ende der Angriffe auf Zivilisten sowie einen freien Zugang für humanitäre Hilfsgüter. Die Ausgangslage bleibt gleichermaßen bedrückend wie offen: Explizit werden die Regierungen Europas und Nachbarstaaten des Sudans zu schneller und konsequenter Unterstützung aufgerufen – Stand 5. Juni 2024 berichten auch Germanwatch, Pro Asyl und andere NGOs von einer Verschlechterung der Gesamtsituation, insbesondere durch das Vorrücken der RSF und zunehmende Kämpfe um Versorgungswege. Aus der Berliner Konferenz wurden zwar Gelder zugesichert, doch die praktische Umsetzung stockt allzu oft vor Ort. Verschärft wird die Lage durch den rapiden Preisanstieg für Grundbedarfsgüter, dem Blackout des regionalen Stromnetzes und die akute Gefahr eines Massakers nach Vorbild von El Fasher. Potenziell droht nun eine humanitäre Katastrophe, die weit über El Obeid hinaus Wirkung zeigt, da es ein wichtiger logistischer Knoten für Hilfstransporte nach Darfur und in umliegende Regionen ist.