Erdogan: Porträt eines Machtmenschen – ARD blickt hinter die Fassade (ab 29.6.2026 in der Mediathek)

Es gibt wohl weltweit kaum einen Regierungschef, der seine Nation in den letzten Jahrzehnten so geprägt hat wie Recep Tayyip Erdogan. Ehemals ein Kind armer Verhältnisse im Istanbuler Hafenviertel, heute Symbol eines fast allmächtigen Herrschers. Wer ist dieser Mann, den die Türkei, aber auch die internationale Öffentlichkeit, so kontrovers sieht? Die neue Dokuserie versucht, Licht in die Schattenseiten und Abgründe seines Weges zu bringen.

heute 19:22 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn ein Politiker den Zeitgeist seiner Gesellschaft widerspiegelt, dann vermutlich Recep Tayyip Erdogan. Die neue ARD-Serie „ERDOGAN“ nimmt sich vor, seinen Werdegang zu entwirren; ihre beiden Köpfe, Kristina Karasu sowie Michael Wech, ließen dafür ehemalige Vertraute und einstige Wegbegleiter zu Wort kommen – Leute, die meist nicht allzu viel Lust auf die westliche Presse haben. Was sie dann aber erzählen, wirkt wie ein Puzzle, in dem Ehrgeiz, Kalkül, und manchmal auch dunkle Abgründe zusammentreffen. Was ist es, das Erdogan immer wieder aus der Patsche zieht? Ist es Chuzpe, blanker Pragmatismus, oder ein politischer Riecher, der ihn mit dem richtigen Timing ausgestattet hat? Und – das darf man nicht unterschätzen – wie reagiert die türkische Community in Deutschland eigentlich auf all das? Die Serie breitet Erdogan nicht nur in seinem politischen Handeln, sondern auch als Privatmenschen aus: Seine familiären Beziehungen, etwa zu seiner Frau Emine und den Kindern, werden genauso angesprochen wie die Frage, wie aus ihm ein (fast) Alleinherrscher wurde. Neben zentralen politischen Etappen blitzen persönliche Rückschläge und Erfolge auf – und immer wieder die Frage: Reformer oder Überlebenskünstler? Besonders spannend: Die Liste der Gäste – von Bülent Arınç über Leon Panetta, Martin Schulz bis hin zur Witwe eines engen Vertrauten – liest sich wie das Who’s Who der Nähe und Entfernung zu Erdogan. Manche wagten zum ersten Mal, ihren eigenen Blick preiszugeben, teils aus dem Schutz parlamentarischer Immunität heraus. Andere, aus Angst, lehnten ab. Die politische Atmosphäre, sowohl in der Türkei als auch im Exil – und nicht zuletzt bei uns in Deutschland – ist dicht und aufgeladen, das wird beim Dreh spürbar. Auch die Kuriositäten bleiben nicht aus: Erdogan wollte als Jugendlicher Profifußballer werden und war, zumindest laut einstigen Nachbarn, ein ziemlicher Dandy, der sich gerne zweimal am Tag rasierte. Im Ernst: Wer hätte das gedacht? Entstanden ist die Serie in Kooperation mehrerer Institutionen und erzählt in vier Teilen auf Deutsch und Türkisch diese persönliche wie politische Zeitreise. Die Regie übernahmen Karasu und Wech gemeinsam, produziert wurde von Leopold Hoesch und seinem Team. Ergänzt wird das Ganze durch Interviews, die Einblicke gewähren, wo sonst meistens der Vorhang geschlossen bleibt.

Kurz gefasst: Die ARD rollt in vier Episoden den Aufstieg von Recep Tayyip Erdogan ganz neu auf – von Kindheitsträumen über politische Wendepunkte bis hin zum heutigen Präsidenten, der genauso bewundert wie gefürchtet wird. Authentisch kommen Weggefährten zu Wort, Rückschläge wie Triumphe werden gleichsam festgehalten. Neueste Entwicklungen in der Türkei zeigen, dass Erdogans Machtausübung und seine polarisierende Art weiterhin das Land in Atem halten: Nach wie vor erleben Kritiker, Aktivisten und Journalist:innen starke Repressionen, wie aktuelle Berichte von taz und DW belegen. In den letzten Tagen wurde zudem erneut die Rolle der Türkei im geopolitischen Kontext – besonders nach dem Treffen mit Putin sowie angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen wie der galoppierenden Inflation – ausführlich diskutiert. Erdogans jüngste Aussagen gegenüber der EU und sein Werben um neue internationale Allianzen deuten darauf hin, dass die Türkei ihren außenpolitischen Kurs weiter verschiebt. Die Medienlandschaft berichtet weiterhin ungewöhnlich hitzig über die innere Spaltung der türkischen Gesellschaft und das Verhältnis zur Diaspora, insbesondere im Schatten der anhaltenden Wirtschaftskrise und neuer Protestbewegungen. (Quellen: taz, DW, FAZ, Zeit) Weitere Infos, Zusammenfassungen aktueller Artikel: - taz: In einem ausführlichen Beitrag geht es um die jüngsten Verhaftungen von Journalist:innen und Oppositionellen in der Türkei. Die Diskrepanz zwischen Hoffnung auf Dialog und anhaltender Repression zieht sich durch den ganzen Text. (Quelle: [taz.de](https://www.taz.de)) - DW.com: Die Deutsche Welle widmete erst gestern einen langen Hintergrundartikel der wachsenden Inflation in der Türkei, die steigende Unzufriedenheit der Bevölkerung und den Balanceakt Erdogans – zwischen Machterhalt und versuchter Beruhigung des Marktes. (Quelle: [dw.com](https://www.dw.com)) - FAZ.net: Die FAZ beleuchtet in einer aktuellen Analyse das außenpolitische Bündeln der Türkei, vor allem die Annäherung an Russland sowie den Zwiespalt in der internationalen Partnersuche, während innenpolitisch die Säuberungen im Staatsapparat weitergehen. (Quelle: [faz.net](https://www.faz.net))

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