Interessant: Wachsende Ängste vor einem russischen Vorstoß ins Baltikum oder nach Polen wischt Tsahkna zumindest kurzfristig vom Tisch. Keine großen Truppenbewegungen, keine unmittelbare Gefahr – der russische massive Fokus liege, so seine Einschätzung, weiterhin auf der Ukraine. Also, keine Panik – aber eben auch keine Entwarnung. Denn Russland, das betont der Außenminister, bleibt unberechenbar und gefährlich; kleinere Provokationen könnten jederzeit passieren. Estland sei darauf vorbereitet, beruhigt Tsahkna. – Wobei, ehrlich gesagt, ein bisschen Unsicherheit zwischen den Zeilen mitschwingt.
Zuletzt hatte Donald Tusk, Polens Regierungschef, von Warnungen der Geheimdienste berichtet, die auf potenzielle russische Angriffe und eine heikle Phase für die gesamte Region hindeuten. Einiges bleibt also weiter offen.
Estlands Außenminister Tsahkna zeigt sich skeptisch gegenüber den Gesprächsbemühungen des ehemaligen US-Präsidenten Trump – statt Fortschritten brachte das vor allem Russland mehr Spielraum und Zeit, die militärische Eskalation in der Ukraine voranzutreiben. Obwohl die Angst vor einer Angriffswelle Russlands auf das Baltikum derzeit gering eingeschätzt wird, warnt Tsahkna eindrücklich vor der andauernden und schwer kalkulierbaren Gefahr aus Moskau. Zeitgleich verdeutlichen neue Berichte, etwa von der Financial Times und europäischen Nachrichtendiensten, dass Russland seine Kriegsindustrie hochfährt, während NATO-Länder – allen voran die baltischen Staaten und Polen – ihre Verteidigungspositionen teils neu ordnen und die Truppenpräsenz erhöhen.
Recherchiert man weiter, lassen sich folgende zusätzliche Aspekte einbringen: In den vergangenen zwei Tagen wurde auf zeit.de berichtet, dass die NATO aktuell ihre Verteidigungspläne für Osteuropa konkretisiert, eine direkte Bedrohung aber nicht sofort absehbar ist. Auf spiegel.de beleuchtet eine neue Analyse, wie Russland durch Cyberangriffe, Spionage und gezielte Desinformation weiterhin versucht, europäischen Zusammenhalt zu untergraben. Und laut dw.com wird in Brüssel aktuell diskutiert, ob und wie die EU-Länder weitere schwere Waffenlieferungen an die Ukraine organisieren können – was die ukrainische Regierung angesichts steigenden Drucks zunehmend fordert.