EU und Indien: Freihandelsabkommen als Sprungbrett für Wirtschaftsaufschwung?

Während Deutschlands Exporte nach China schwächeln, boomen die Lieferungen nach Indien – ein Freihandelsabkommen mit der EU könnte diese Entwicklung noch einmal massiv beschleunigen.

heute 13:03 Uhr | 4 mal gelesen

Kürzlich veröffentlichte das Institut der deutschen Wirtschaft seine Überlegungen zum möglichen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien – und die Einschätzungen sind fast schon überraschend optimistisch. Die strategische Verlagerung weg von China macht viele Industrien in Europa nervös, doch Indien rückt als Alternative immer kräftiger in den Vordergrund. Der Anteil am deutschen Exportkuchen ist bislang bescheiden, aber mit deutlicher Tendenz nach oben. Besonders spannend: Indien mausert sich Schritt für Schritt im Elektroniksektor und könnte künftig als Zulieferer glänzen, wo früher fast nur China zählte. Und bei IT-Diensten? Hier ist Indien ohnehin schon ein alter Hase – was Europa vielleicht hilft, sich allmählich etwas stärker von den USA zu emanzipieren. Trotzdem gibt’s natürlich noch einige Stolpersteine: So will die EU mehr Marktzugang für Autos, Indien wiederum will sich beim CO2-Ausgleich nicht in die Karten schauen lassen. Vom Agrarsektor redet sowieso niemand offen – das bleibt weiter eine Tabuzone. Am Ende bleibt: Beide Seiten werden wohl Abstriche machen müssen, aber das große Ganze könnte wichtiger sein als einzelne Details. Angesichts der Weltlage und der zunehmenden Blockbildung ist Bewegung nötig – das sagen auch die Experten. Ein Aspekt, der leicht vergessen wird: Wer zu lange auf der Perfektion herumkaut, kommt am Ende womöglich gar nicht mehr zum Essen. Zu perfektes Taktieren bremst den Fortschritt, wie der Mercosur-Deal mahnend zeigt.

Das geplante EU-Indien-Freihandelsabkommen verspricht enorme wirtschaftliche Effekte – laut aktuellen IW-Prognosen könnte sich der bilaterale Handel langfristig sogar mehr als verdoppeln. Beide Partner stehen vor komplexen Verhandlungen, insbesondere in heiklen Fragen wie dem CO2-Grenzausgleich, Autoexporten und landwirtschaftlichen Produkten, doch die geopolitische Lage zwingt zu mehr Flexibilität. Während bisher weniger als zwei Prozent der Exporte aus Deutschland nach Indien gehen, zieht das Land aufgrund seiner Industrialisierung, seines marktwirtschaftlichen Potenzials und seiner stabileren politischen Verhältnisse zunehmend Interesse der EU auf sich. Aktuelle Medien berichten, dass Indien auch in der Chip-Industrie und im Energiesektor weiter aufholt und für europäische Unternehmen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten schafft. Dennoch bleibt Unsicherheit: Die Meinungen, wie viel Einfluss das Abkommen tatsächlich haben wird, gehen langsam auseinander – nicht nur bei Wirtschaftsexperten, sondern auch in der Politik.

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