Evonik-Chef vollzieht Kurswechsel beim Emissionshandel der EU

Christian Kullmann, Chef von Evonik, rudert beim Thema europäischer Emissionshandel zurück. Während er Ende November noch die komplette Abschaffung oder starke Umgestaltung des ETS forderte, wirbt er nun gemeinsam mit Peter Liese (CDU) im 'Handelsblatt' für weniger Ideologie und mehr Pragmatismus im Umgang mit dem System.

heute 11:59 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich Positionen bei so komplizierten Themen wie dem Emissionshandels-System verschieben können. Noch vor kurzem lautstark nach dem Ende des ETS gerufen – und jetzt plötzlich die Kehrtwende: "Die einen schrien nach Abschaffung, andere wollten alles über den Haufen werfen. Aber wir finden, es ist Zeit für weniger Aufregung und mehr Sachlichkeit. Kluge, praktische Kompromisse sind gefragt", so der Tenor von Kullmann und Liese. Die Brüsseler Politik hat sich für ihre Chemiebranche einiges überlegt, zumindest munkelt man das aus den Gängen der Kommission. Laut dem 'Handelsblatt' dürfen Unternehmen – sofern der Vorschlag so kommt wie erwartet – auf flexible Benchmark-Anpassungen hoffen. Und obendrauf: Die Marktstabilitätsreserve, aus deren Beständen regelmäßig CO2-Zertifikate gelöscht wurden, soll diese Praxis ersatzlos streichen. Ein radikaler Schritt oder schlicht Pragmatismus? Vielleicht beides – und irgendwie typisch Brüssel.

Evonik-Chef Christian Kullmann hat seine Meinung zum europäischen Emissionshandel überraschend geändert und plädiert nun für einen pragmatischen Umgang mit dem ETS statt für dessen Abschaffung oder radikale Veränderungen. Zusammen mit dem CDU-Europaabgeordneten Peter Liese fordert er, die aktuell stark ideologisch geführte Debatte endlich auf eine sachliche Ebene zu bringen – wohl auch im Lichte der geplanten Reformen der EU-Kommission, die der Chemieindustrie Anpassungen an Benchmarks sowie das ersatzlose Streichen der Löschung von Zertifikaten aus der Marktstabilitätsreserve in Aussicht stellt. In den vergangenen 48 Stunden wurde zudem in mehreren Leitmedien diskutiert, wie Unternehmen und Regierungen angesichts energiepolitischer Unsicherheiten institutionelle und technologische Flexibilität bewahren können – vor allem angesichts schwankender CO2-Preise und globaler Wettbewerbsbedingungen.

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