Ex-FDP-Mann Wissing setzt der Partei den Spiegel vor

Volker Wissing, einst Generalsekretär der Liberalen, verlangt nach einer ehrlichen Standortbestimmung für die FDP – und spart nicht mit Kritik.

heute 00:03 Uhr | 3 mal gelesen

Was vermittelt die FDP eigentlich noch? Das fragt, ironischerweise, ausgerechnet jemand, der jahrelang zur liberalen Führungsriege zählte: Volker Wissing. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ bringt er es auf den Punkt – die Liberalen haben laut ihm Schwierigkeiten, ihrem Publikum ein klares Angebot zu machen. Interessanterweise sagt Wissing sogar, die Partei treibe zunehmend Richtung libertärer Ansichten und gehe zu sehr dem vermeintlichen Zeitgeist auf den Leim. Dabei, meint er, vernachlässige die FDP das, was eigentlich ihre ureigene Handschrift wäre. "Nach rechts verschieben wir uns sowieso", meint Wissing und lässt durchblicken: Das nützt am Ende niemandem. Statistisch – und das zeigt ja spätestens der letzte Wahltag – ist von Wahlerfolg wenig zu spüren. Aber anstatt sich zu hinterfragen, suchen die Liberalen die Schuld offenbar lieber bei der Konkurrenz. Zwischen den Zeilen blitzt viel Enttäuschung eines Mannes auf, der die Partei kennt wie kaum ein anderer. Nun stehen zwei Kontrahenten in den Startlöchern: Noch-Chef Dürr und NRW-Chef Höne – beide wollen beim Parteitag im Mai an die Spitze. Ungewöhnlich: Wissing bleibt als Minister im Kabinett, aber ohne Parteibuch, nachdem die Ampelkoalition zerbrochen ist. Ein Bruch, der symptomatisch für die Lage der FDP wirkt.

Volker Wissing, ehemaliger Generalsekretär der FDP und aktuelles Kabinettsmitglied, hat in einem Interview seine frühere Partei aufgefordert, sich über ihre inhaltliche Richtung klar zu werden. Er kritisiert die aktuelle Führung unter Christian Dürr als zu libertär und betont, dass die Partei sich nach rechts bewegt, ihrem Kern aber entfremdet. Die abnehmenden Wahlerfolge sieht er als Folge mangelnder Selbstkritik. Im Kontext der bevorstehenden Wahl des Parteivorsitzenden – zur Auswahl stehen Christian Dürr und Henning Höne – steht die FDP vor einer richtungsweisenden Klärung, zumal Wissing seit dem Aus der Ampel nicht mehr Mitglied ist. Die Partei sieht sich derzeit auch breiter gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt, beispielsweise wegen ihrer Haltung zum Haushalt und sozialen Reformen. Mehreren Berichten zufolge zweifeln auch Teile der Basis, ob die FDP mit ihrer aktuellen Linie noch zukunftsfähig ist. Im Lichte der politischen Umbrüche stehen grundlegende Diskussionen an.

Schlagwort aus diesem Artikel