Wenn ich die Vorschläge der Rentenkommission betrachte, schleicht sich bei mir ein Gefühl von 'halb gar' ein. Marcel Fratzscher, Chef des DIW, hat in der 'Rheinischen Post' ziemlich deutlich gemacht, dass er mit dem Kurs nicht zufrieden ist. Seine Kritik: Es fehlt an Entschlossenheit und Nachdruck – eigentlich sagt er, die großen Baustellen werden gar nicht erst angepackt. Altersarmut bleibt ungelöst, die junge Generation trägt weiter die Hauptlast, und bei der Verteilungsgerechtigkeit tut sich ohnehin kaum etwas.
Zugegeben, Fratzscher erkennt durchaus gute Ansätze: etwa ein höheres Renteneintrittsalter, mehr private Vorsorge und restriktivere Regelungen beim Frühruhestand. Nur: Es fehlt an konsequenter Umsetzung. Die Rentenkommission, so Fratzscher weiter, wolle zwar vieles auf den Weg bringen, aber zur entscheidenden Tat schwingt sie sich nicht auf. Kurzum: Es bleibt insgesamt zu brav. Besonders moniert er, dass gegen die grassierende Altersarmut eigentlich nichts Gravierendes vorgesehen ist.
Was ist also mit der Politik? Laut Fratzscher muss die Regierung unbedingt nachsteuern: Mehr Unterstützung bei kleinen Renten, höhere Belastung der Wohlhabenden im Alter und stabilere Finanzierungsmodelle – all das fordert er nachdrücklich. Und, wie er lakonisch anmerkt: Vorschläge machen viele, am Ende muss die Politik den Mut zum Handeln haben. Leider bleibt der aber (noch) aus.
Im Kern kritisiert Marcel Fratzscher an den Vorschlägen der Rentenkommission hauptsächlich deren Mutlosigkeit: Die Empfehlungen reichen aus seiner Sicht nicht aus, um das deutsche Rentensystem gegen zukünftige Risiken zu wappnen. Er fordert insbesondere stärken Schutz gegen Altersarmut, eine gerechtere Verteilung der Lasten sowie eine nachhaltigere Finanzierung. Neuere Debatten beleben aktuell das Thema, zum Beispiel durch die Diskussion um die sogenannte 'Aktienrente' und die stärkere Integration geringfügig Beschäftigter in das System, damit die Rente künftig nicht nur auf den klassischen Säulen ruht, sondern auch von breiteren Schultern getragen wird. Die 'Süddeutsche Zeitung' berichtete zudem, dass eine Mehrheit der Bevölkerung eine Anhebung des Rentenalters skeptisch sieht. In der 'FAZ' wurde jüngst die Notwendigkeit betont, die Debatte auch politisch breiter zu führen, da die demografische Entwicklung die bisherigen Sicherungsmodelle zunehmend unter Druck setzt.