Mario Reiß, Vorsitzender der GDL, spart nicht mit Vorwürfen gegenüber der Bahn: Über Jahre habe der Konzern ein kompliziertes Netz von Tochtergesellschaften und internen Abrechnungen aufgebaut, sodass es laut Reiß manchmal schwerfalle, den Durchblick zu behalten. Zeitweise, so Reiß, habe es unter dem Dach der Bahn über tausend verschiedene Firmen gegeben – inzwischen sind es rund sechshundert. Statt Transparenz und klaren Geldflüssen dominiere ein Wirrwarr von Strukturen, das letztlich Steuergeld an unklarer Stelle im Konzern umverteile. Das müsse sich grundlegend ändern, fordert Reiß.
Die neue DB-Personenverkehrschefin Evelyn Palla bekommt von ihm verhaltenen Zuspruch. Er lobt, dass sie „mehr ins Detail“ gehe und Verantwortung dezentralisiere – eine Abkehr vom Stil ihres Vorgängers Richard Lutz. Entscheidend sei jedoch, dass Palla auch konsequente, manchmal unbequeme Personalentscheidungen treffe, wie die jüngsten Trennungen von Sigrid Nikutta (Cargo) und Karin Dohm (Finanzen) zeigten. Gerade bei Letzterer übt Reiß Nachdruck: Schon bei Dohms Berufung habe er erhebliche Zweifel gesehen, ihre Untauglichkeit für das Vorstandsamt sei früh absehbar gewesen. Letztlich, meint er, koste solche Personalpolitik den Steuerzahler unnötig viel Geld – und könnte noch für Streit sorgen.
Zwischendurch drängt sich der Gedanke auf, wie erstaunlich wenig sich solche komplexen Strukturen nach außen hin bemerkbar machen – zumindest für Bahnkundinnen, die letztlich nur den pünktlichen oder verspäteten Zug erleben. Vielleicht ist gerade das der Kern: Die Bahn als riesiges Uhrwerk, das hinter der Fassade klappert und quietscht.
Reiß kritisiert, dass die interne Struktur der Deutschen Bahn gezielt intransparent gehalten werde und durch die Vielzahl von Tochtergesellschaften eine Art Inhouse-Geldkreislauf geschaffen wurde, der demokratische Kontrolle und eine zweckgebundene Steuergeldverwendung deutlich erschwert. Während er den Sanierungskurs von DB-Managerin Palla grundsätzlich unterstützt, fordert er zugleich konsequente Veränderungen im Management und betont die Notwendigkeit, die Zahl der Tochtergesellschaften weiter zu reduzieren, um den Betrieb effizienter und nachvollziehbarer zu machen. Neuere Berichte, etwa von der Süddeutschen Zeitung vom 7. Juni 2024, bestätigen die verschärfte öffentliche Diskussion rund um Transparenz und Wirtschaftlichkeit bei der Bahn – gerade angesichts des 49-Euro-Tickets und der angespannten Haushaltslage, sodass die Forderungen nach Effizienzsteigerung und einer Offenlegung der Konzernstrukturen weiter zunehmen.