Dank der neuen Technik wird es möglich, gesprochene Inhalte in der Deutschen Gebärdensprache direkt in Livestreams einzubetten – ein Fortschritt, der für viele längst überfällig ist.
Mehr als nur Untertitel
Klar, Untertitel sind praktisch, aber sie ersetzen nie die Mimik, Gestik oder Emotionalität, die die gebärdete Sprache transportiert – Lesen allein reicht oft einfach nicht. Viele der rund 200.000 Menschen, für die DGS ein ständiger oder auch nur gelegentlicher Begleiter ist, brauchen diese visuelle Sprache zum echten Verstehen.
Anschluss trotz Gesetz
Die Anerkennung der DGS als eigenständige Sprache (seit 2002) und gesetzliche Vorschriften zielen zwar auf Inklusion ab, doch in der Alltagsrealität hinken viele digitale Angebote noch hinterher. Ohne mehr Kapazitäten ist die flächendeckende menschliche Übersetzung schlicht nicht zu stemmen – vor allem bei der Flut an digitalen Inhalten, die täglich entstehen.
Genau hier setzt die neue KI-Lösung an: Sie kann rund um die Uhr und ohne Terminstress DGS anbieten, was Zugang zu Kultur, Bildung oder Information noch einfacher macht – gerade dort, wo Dolmetscher kostspielig oder gar nicht verfügbar sind.
KI mit Gesicht, nicht bloß Avatar
Statt einer generischen Animation wurde die Software mit echten Videos von Gebärdensprachprofis, etwa aus dem britischen Verband Royal Association for Deaf People, trainiert. Das Ergebnis überzeugt – in Großbritannien bedient das System schon das Bahnnetz (National Rail) und bald auch einen US-Streaminggiganten. Internationale Auszeichnungen gab’s obendrein.
„Wir wollen die Stärken der Lösung nach Deutschland bringen und echten Mehrwert für die Menschen bieten – KI wird so zu einem Werkzeug für mehr Chancengleichheit“, erklärt Alexander Leschinsky von G&L Systemhaus.
Klarstellung: KI ergänzt, ersetzt aber nicht
Die Technik ist kein Ersatz für echte Dolmetscher*innen – besonders im Gesundheitsbereich oder bei rechtlich komplizierten Fällen bleiben Menschen unverzichtbar. Vielmehr will man damit die Lücken schließen, die bislang niemand abdecken konnte.
„Was am wichtigsten ist: Die Entwicklung passiert gemeinsam mit gehörlosen Communitys. Wir achten bewusst darauf, dass ihre kulturspezifischen Feinheiten erhalten bleiben“, betont Sally Chalk von Signapse.
Tradition trifft Zukunft
G&L Systemhaus begann vor 25 Jahren als TV-Pionier, heute arbeitet das Unternehmen daran, Streaming inklusiver zu machen. Nach Projekten wie KI-Untertiteln für Parlamente folgt jetzt der Schritt Richtung live gebärdeter Inhalte – die Vorbereitung für Deutschland läuft, Ausweitung auf andere Märkte soll bald folgen. Wer interessiert ist, kann sich melden.
Die Präsentation des fotorealistischen KI-Dolmetschers für Gebärdensprache verspricht einen echten Innovationssprung in barrierefreien digitalen Medien. Während Untertitel zwar helfen, aber emotionale und kulturelle Nuancen vermissen lassen, bietet die Embedded-Lösung von Signapse und G&L erstmals lebendige Übersetzung für eine bisher oft vernachlässigte Nutzergruppe. Nach aktuellem Stand befinden sich ähnliche KI-Technologien auch international auf dem Vormarsch: Laut t3n berichten verschiedene Anbieter, dass KI-gesteuerte Tools zur Unterstützung von Gebärdensprache im Bildungsbereich und bei Live-Events immer häufiger zum Einsatz kommen. Die Kritik an reinen Avatar-Systemen hält sich jedoch, da die Verbindung zu wirklicher Alltagsmimik und kultureller Authentizität vielfach noch als Herausforderung gilt. Über die Websites von DW und der Süddeutschen Zeitung finden sich Hinweise, dass die Einbindung von Gehörlosen-Kompetenz in die Entwicklung solcher Systeme als zentrales Erfolgskriterium gilt, um Akzeptanz zu gewährleisten – und Missverständnisse sowie Fehldarstellungen der Sprache zu vermeiden.