Coface-Risikoanalyse: Globale Wirtschaft im Wandel – neue Chancen, neue Unsicherheiten

Mainz – Das weltweite wirtschaftliche Umfeld bleibt ein Balanceakt: Während geopolitische Reibungen und wachsende soziale Spannungen den Ausblick trüben, prognostiziert die Kreditversicherung Coface ein moderates Weltwirtschaftswachstum für 2026. Zugleich gab es Änderungen bei der Risikoeinschätzung für sieben Staaten – etwa wurden Bewertungen für Polen, Schweden und Chile verbessert.

heute 15:51 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal fühlt sich Wirtschaft nach Wetter an – viel vorausgesagt, einiges bleibt trotzdem überraschend. Coface-Analyst Markus Kuger blickt auf 2025 zurück und wundert sich fast, wie stabil das globale Wachstum mit 2,8 Prozent ausfiel. Zwar ruckelte es gewaltig an vielen Ecken – politische Unruhe, Unsicherheiten bei Handelszöllen, all das. Aber: Die Weltwirtschaft schien fast immun gegen ständige Schocknachrichten und profitierte von erstaunlich anpassungsfähigen Unternehmen, vor allem jenen, die international denken.

Doch jeder neue Januar bringt neue Fragezeichen. Zum Start ins Jahr 2026 sind geopolitische Unsicherheiten – besonders in Lateinamerika, Iran oder Grönland – spürbar geworden. Die Kapitalkosten klettern nach oben, hohe Zinsen drücken auf die Bilanz und Schuldenberge wachsen. Dazu kommt ein unsichtbarer Gegner: wirtschaftspolitische Steuerturbulenzen in den USA und drohende Handelsstreitigkeiten. In Europa wiederum machen soziale Spannungen Schlagzeilen, verstärkt durch Gesundheits- und Klima-„Nebenwirkungen“.

Wachstum: solides, aber bescheidener Tempo

Kurzum: Die Prognose bleibt zurückhaltend, mit globalen +2,6% für 2026. Der Motor der USA (2,2% Wachstum, getrieben vom starken Konsum) läuft weiter, trotz erhöhter Firmenpleitenrate. Die Eurozone? Sie rettet sich mit gut 1% Zuwachs ins neue Jahr, wobei gerade das deutsche Investitionsprogramm Schwung gibt – wohingegen Frankreichs Defizite auf die Bremse treten. Besonders Polen (plus 3,8%) treibt Mittel- und Osteuropa an, während in Asien der chinesische Wirtschaftsmotor auf 4,4% abkühlt und Indien mit 6,1% ein echter Hoffnungsträger bleibt.

Beim Ölpreis zeichnet sich Entspannung ab: Coface erwartet im Schnitt 60 Dollar je Barrel 2026 – spürbar günstiger als zuvor. Sollte das tatsächlich eintreten, bleibt der Inflationsdruck wenigstens von dieser Seite gering.

Länderrisiko: Gewinner und Verlierer

Sechs Länder wurden im Länderrisiko-Ranking aufgewertet. Chile verdient das Upgrade (A4→A3) dank Investitionen in Kupfer und Energie, Polen nutzt EU-Gelder und engagierte Konsumenten (A4→A3). Schweden beeindruckt mit cleverer Finanzpolitik (A3→A2), Zypern profitiert vom Tourismus (A4→A3). Barbados arbeitet effektiv an seiner Staatsverschuldung (C→B), Ecuador zeigt nach der Stromkrise endlich Reformwillen (D→C). Senegal hingegen muss Federn lassen: fiskalisches Chaos und eine erschwerte IWF-Partnerschaft führen zum Downgrade (B→C).

Wer einen tieferen Blick will: Die vollständige Übersicht liegt bei Coface.

Pressekontakt:
Coface, Deutschland
Sebastian Knierim
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Die Weltwirtschaft wackelt – aber sie fällt nicht. Coface bleibt bei einer vorsichtigen, jedoch insgesamt stabilen Prognose für das Jahr 2026: geopolitische Risse offenbaren sich zunehmend, speziell in Regionen wie Lateinamerika oder Nahost, doch dank firmenübergreifender Flexibilität und regionaler Investitionsprogramme stabilisieren sich viele Märkte. Besonders Indien, Polen und Schweden stechen im positiven Sinne hervor; Ölpreisentspannung könnte Inflationsdruck lindern. Laut aktuellen Recherchen betonen viele große Medienhäuser wie Spiegel und FAZ die wachsenden geopolitischen Risiken – darunter die Unberechenbarkeit der USA im Wahljahr und der steile Anstieg sozialer Konflikte als zusätzliche Destabilisatoren. Darüber hinaus wird berichtet, dass deutsche Unternehmen den zunehmenden Protektionismus als Risikofaktor nennen und dass die Investitionsbereitschaft – teils aus Angst, teils aus strategischem Kalkül – überall schwankt. Summa summarum: Die Welt scheint sich in einem „neuen Normal“ einzupendeln, das zwar weniger schwungvoll, dafür aber widerstandsfähiger wirkt als zu Beginn befürchtet.

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