„Ambitioniert? Auf jeden Fall. Aber wir wussten, worauf wir uns einlassen“, kommentierte Frei in einem Interview mit RTL und ntv. Entscheidend sei für ihn eine gemeinsame Portion Entschlossenheit – und der Wille, das komplexe Vorhaben auch wirklich durchzuziehen. Natürlich, verschiedene Interessengruppen hätten viel zu sagen, manchmal auch gegensätzliche Positionen, was aber – so Frei – zum politischen Alltag dazugehöre. An kritischen Stimmen mangelt es jedenfalls nicht. Trotzdem hält der Kanzleramtschef die Reform wegen der unbestreitbaren Sparziele für alternativlos: „Über 15 Milliarden Euro müssen wir fürs nächste Jahr einsparen, sonst geraten die Beiträge zur Gesundheitsversorgung ins Rutschen – und perspektivisch drohen sogar bis 2030 Summen bis zu 40 Milliarden.“ Kurz gesagt: Niemand dürfe sich aus der Verantwortung schleichen. Am Ende müsse das Ergebnis von allen als einigermaßen fair wahrgenommen werden, sodass keine einzelne Gruppe unverhältnismäßig belastet werde.
Beim Thema Bürgergeld-Empfänger und deren Krankenversicherung räumte Frei ein, dass mehr Steuergeld in den Topf sollte – das sei systematisch korrekt, praktisch jedoch eine große Dauerbaustelle. Seit Jahrzehnten finde sich darauf keine zufriedenstellende Antwort. Das Solidarsystem der gesetzlichen Krankenkassen funktioniere nun einmal so, dass einige mehr zahlen als sie nutzen, andere weniger, „so funktioniert Solidarität“, so Frei. Allerdings, eine komplette Übernahme der etwa zwölf Milliarden Euro Kosten aus dem Bundeshaushalt – das sei laut Frei schlicht utopisch: „Wenn jemand behauptet, das lasse sich jetzt rasch regeln, der täuscht sich gewaltig oder ignoriert die langjährige Realität.“ Manche Probleme bekommen eben Patina.
Thorsten Frei beharrt auf der Einhaltung des anspruchsvollen Zeitplans für die Gesundheitsreform und verweist darauf, dass das vielschichtige Geflecht aus Interessen kein Hinderungsgrund sein dürfe, das Einsparziel von 15 Milliarden Euro für das kommende Jahr konsequent anzugehen. Die Beteiligung aller Akteure betrachtet er als wesentlichen Schlüssel in diesem sozialpolitischen Drahtseilakt – ohne Gerechtigkeitsverlust für Einzelne. Scheitern sieht er vor allem dort, wo unrealistische Erwartungen an schnelle Staatsfinanzierungen gestellt werden; stattdessen plädiert er für pragmatische Lösungen innerhalb der bekannten strukturellen Engpässe, wie aktuelle Berichte von taz, ZEIT und Süddeutscher Zeitung bestätigen. Hinzu kommt laut mehreren Medien, dass viele Fragen offenbleiben, etwa wie Mehrbelastungen für Versicherte abgefedert werden und wie die angekündigten Digitalisierungsinvestitionen gestemmt werden können.