Als Strack-Zimmermann im "Machtmenschen"-Podcast zu Merkels Erbe befragt wurde, schwingt fast schon Empörung mit: Für sie war es ein fataler Fehler – gar eine "Todsünde", so ihre Worte – dass die Union unter Merkel so weit nach links driften konnte. Sie hält es fast für eine Grundregel: Rechts von der Union dürfe es eigentlich keinen relevanten politischen Raum geben. Doch Merkels Verschiebung habe genau das Gegenteil bewirkt – ein Vakuum, in das mittlerweile andere Parteien vorstoßen. Sie mochte auch das Argument nicht akzeptieren, Merkel hätte den CDU-Einfluss nach links hin absichern wollen. Im Gegenteil: Die Partei habe die Ballungsräume hofiert, während die ländlichen Regionen zurückblieben, so Strack-Zimmermann – gerade mit Blick auf Infrastruktur und Lebenswirklichkeit. Das Ergebnis? Entfremdung, Frust, und laut ihr auch die Stärkung der AfD. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn Bürger spüren, dass der Staat an seinen elementaren Aufgaben scheitert." Das Vertrauen in die Parteien sei heute hauchdünn, nicht zuletzt, weil diese sich kaum noch unterscheidbar zeigten, resümiert sie. Fast klingt es wie ein Stoßseufzer: die Krise sei selbst gemacht.
Strack-Zimmermann verleiht ihrer Kritik an Merkels Politik-Nachlass Nachdruck: Die gezielte Verschiebung der CDU in die politische Mitte habe laut der FDP-Politikerin nicht nur für Wähler-Vakuum am rechten Rand gesorgt, sondern auch gesellschaftliche Entfremdung und das Erstarken der AfD begünstigt. Tatsächlich sehen viele politische Beobachter Merkels Kurs als einen Faktor unter mehreren für den Wandel im Parteiensystem, wobei auch zunehmende soziale Ungleichheit und Populismus eine wichtige Rolle spielen. In jüngeren Kommentaren und Analysen, etwa in der Süddeutschen Zeitung und der FAZ, wird zudem darauf hingewiesen, dass eine gesellschaftliche Spaltung zunehmend das Vertrauen in Ämter und demokratische Institutionen untergräbt; Stichwort: der Streit um die zukünftige Ausrichtung der CDU, der auch nach Merkels Abschied noch nicht abgeschlossen scheint.