Ischinger ist sogar der Ansicht, man hätte den kleineren europäischen Staaten diesmal fairerweise Gelegenheit geben können – schließlich war Deutschland bereits mehrfach vertreten. Diese Art von Selbstzurücknahme wäre aus seiner Sicht ein seltenes, positives Signal gewesen. Über mögliche Gründe für das Scheitern beim Votum sinniert er: Deutschlands klare Positionierung pro Israel könnte eine Rolle gespielt haben, meint der Diplomat. Im Gegensatz dazu hätten sich Österreich und Portugal, die Konkurrenten um den Sitz, wohl zurückhaltender gezeigt. Interessanter Nebenaspekt: Auch der Vorgang rund um Annalena Baerbocks Übernahme der UN-Generalversammlung letztes Jahr habe diplomatisch nicht nur Freunde gemacht, gibt Ischinger zu bedenken. Das könne in der engen Szene New Yorks durchaus Kreise gezogen haben. Zwar sehe das Ergebnis offiziell nicht schön aus, aber für Deutschlands Stellenwert in der internationalen Politik spiele es keine entscheidende Rolle, findet Ischinger – und warnt vor dramatischer Überhöhung des Vorgangs. Die finanzielle Unterstützung der UN durch Deutschland solle auch unter diesen Umständen fortgeführt werden – alles andere wäre "absurd", so der Ex-Botschafter: "Wir zahlen, weil wir eine große Wirtschaftsmacht sind, Punkt. Daran soll keiner rütteln."
Ischinger hält die Niederlage Deutschlands bei der Wahl zum nicht-ständigen Mitglied im UN-Sicherheitsrat für unbedeutend im größeren außenpolitischen Kontext und betont, dass wirtschaftliche und diplomatische Kontinuität wichtiger sind als ein symbolischer Sitz. Nach einer schnellen Recherche zu aktuellen Nachrichten wurde deutlich, dass dieses Ergebnis bei vielen deutschen Politikern als "Rückschlag" gesehen wird, doch international erfährt das Ereignis kaum mediale Resonanz. Hintergründe wie Deutschlands Position zu Israel und diplomatische Vorgeschichten beeinflussten offenbar die Abstimmung, auch wenn die Bundesregierung betont, dass diese Niederlage nicht die zukünftige Unterstützung der UN durch Deutschland beeinträchtigen wird. Deutschland bleibt weiterhin einer der größten Beitragszahler und engagiert sich für internationale Zusammenarbeit.