Wer heute einen Lkw durch Europa schickt, muss damit rechnen, dass etwa ein Viertel der laufenden Kosten allein für Tankfüllungen draufgeht. Dabei schwanken die Margen oft unterhalb der 5-Prozent-Marke – eine explosive Mischung.
Schon ein moderater Anstieg beim Dieselpreis kann den feinen Ausgleich ins Wanken bringen, größere Preisschocks reißen buchstäblich Löcher in die Bilanz. Jüngste Zahlen belegen: In weniger als zehn Wochen kletterten die Dieselpreise in Europa um mehr als 30 Prozent nach oben. Wenn das nicht direkt weitergegeben wird, bleibt das gesamte Problem an den Logistikern hängen. Und das vermeintlich solide Geschäft kann sich im Handumdrehen in eine Verlustfalle verwandeln.
Das eigentliche Risiko: Die alte Preismechanik
Die Crux ist selten die reine Schwankung, sondern die Stockung in der Preisanpassung. Laufen die Zuschläge der Echtzeit-Entwicklung immer hinterher – etwa weil sie an starre Tabellen und vergangene Durchschnitte gekoppelt sind – klafft zwischen Fakt und Rechnung eine gefährliche Lücke. Rechnen viele Unternehmen nur quartalsweise nach, zahlen sie praktisch für Preissteigerungen von gestern und laufen den Marktgegebenheiten hinterher. In so einem Modell gibt es zwar den Floater, aber er ist mehr Papiertiger als Schutzschirm.
Vom Kostenfaktor zum Steuerungswerkzeug
Dadurch bringt der Diesel den Wandel: Statt bloßer Nebenposition wird er zum Herzstück der Preisstrategie. Ein modernes, robustes Floater-System, so die Experten, muss tagesaktuell reagieren, saubere Marktindizes als Basis nehmen und von Anfang bis Ende transparent sein. Aber: Selbst das ausgefeilteste Modell nützt nichts, wenn es sich nicht in den echten Kundenvereinbarungen widerspiegelt. Es braucht eine pragmatische, gelegentlich auch konfliktreiche Verhandlungsstrategie, um diesen Übergang zu schaffen.
Wer diesen Schritt geht, erhält aber nicht nur stabile Margen, sondern gewinnt eine neue Fähigkeit: Die gesamte Preisarchitektur wird steuerbarer und widerstandsfähiger – ein im modernen Energiemarkt unverzichtbares Asset.
Volatilität als Dauerzustand
Kurzfristige Flickschusterei reicht heute nicht mehr – die Märkte bleiben absehbar unruhig: Krisen, Gesetzesänderungen, der Strukturwandel bei Energiequellen, all das sorgt für fortlaufende Preissprünge. Wer sich da nicht flexibel und systematisch aufstellt, verliert den Anschluss. Am Ende ist nicht die Frage, ob der Dieselpreis schwankt, sondern wie schnell und konsequent das eigene Unternehmen damit umgehen kann.
Nur Steuerung schützt dauerhaft
Viele begegnen Dieselzuschlägen noch immer als bürokratischem Nebenkriegsschauplatz – ein teurer Fehler. Nur, wer die Mechanik aktiv steuert und regelmäßig nachschärft, ist nicht vom Zufall abhängig. Die Experten von Simon-Kucher raten: Was heute den Unterschied zwischen Überleben und Untergang ausmacht, ist nicht der Preisschock selbst, sondern das operative Rüstzeug, darauf flexibel und vertragssicher zu antworten.
Zu den Autoren:
Kornelia Reifenberg ist erfahrene Strategieexpertin und berät seit fast drei Jahrzehnten Logistikanbieter auf der ganzen Welt zu Wachstum, Preisen und Marktpositionierung.
Sven Wengler steuert als Senior Director anspruchsvolle Pricing- und Vertriebsprojekte; mit besonderem Fokus auf internationale Logistikmärkte.
Jan Mahlstein begleitet Unternehmen beim Aufbau präziser Preisstrategien – von klassischer Logistik bis hin zum komplexen Multi-Modal-Geschäft.
Simon-Kucher ist eine führende, globale Beratungsgesellschaft für ertragsorientierte Strategien und kommerzielle Exzellenz. Das Unternehmen mit weltweit über 2.200 Mitarbeitenden gilt seit Jahrzehnten als Taktgeber in Fragen der Monetarisierung und Preisgestaltung.
Mehr unter simon-kucher.com. Kontakt für weitere Informationen: Roxana Müller (Communications & Marketing Manager), Tel.: +49 160 92180752, Mail: roxana.mueller@simon-kucher.com
Originalquelle: Simon-Kucher & Partners via news aktuell
Steigende Dieselpreise entwickeln sich zunehmend zur Achillesferse der Logistik – und offenbaren, dass viele Unternehmen mit träge reagierenden Zuschlagsystemen Margenrisiken schlichtweg nicht abfangen können. Das Problem liegt weniger in der Schwankung selbst, sondern darin, dass zu starre, rückwärtsgewandte Anpassungsmechanismen die Preisanpassung verschleppen und schmerzhafte Lücken in die Kalkulation reißen. Strategisch führende Logistiker setzen daher auf hochaktuelle, transparente und verhandlungsstarke Modelle, die Preissprünge systematisch in die Preisgestaltung einbauen und so Resilienz sichern. Neuere Recherchen zeigen außerdem, dass in Deutschland die Diskussion um Energiesicherheit, alternative Kraftstoffquellen und politische Eingriffe im Dieselmarkt andauert. Während Verbände wie der Bundesverband Güterkraftverkehr auf bessere staatliche Rahmenbedingungen drängen, vermeldet die Branche bereits spürbare Rückgänge bei Neuverträgen durch die Unsicherheit. Parallel berichten Medien darüber, dass einzelne Speditionsketten mit flexiblen, digitalen Preismodellen experimentieren und teilweise schon Erfolge in puncto Margensicherung verbuchen – insbesondere jene, die auf Echtzeitdaten statt auf historischen Mittelwerten setzen.