Geierabend: Karneval mal schrill und anders – Zwischen Satire und Pott-Tradition auf Zeche Zollern

Dortmund im Karnevalstaumel: Während mancher im Ruhrgebiet lieber nach Holland flieht, bringt der Geierabend im LWL-Industriedenkmal eine alternative Seite des Narrenfests ans Licht. Einst als subversive Gegenveranstaltung gestartet, hat sich das mehrstündige Spektakel mit Comedians, Musik und schrägem Lokalkolorit zum festen Comedy-Highlight der Karnevalszeit gemausert.

heute 11:54 Uhr | 2 mal gelesen

Die Macher des Geierabends nehmen den Karneval beim Wort – und führen ihn ein bisschen ad absurdum. Keine müden Schenkelklopfer, keine zerbröselnden Büttenreden, sondern pointierte Satire und handverlesene Musikstücke von einer Livetruppe. Und während der ‚Präsident‘ schon mal kunstvoll eine Kinderstrumpfhose auf dem Kopf trägt, jagen sieben Comedians und vier Musiker durch drei Stunden Programm zwischen lautem Spaß und satirischen Seitenhieben. Besonders die Vergabe des selbstgebastelten Karnevalsordens – angeblich 28 Kilogramm schwer und natürlich mit reichlich Ironie behaftet – bringt Jahr für Jahr neue Skandälchen hervor. Dieses Mal kocht die Provinz über, weil eine lokale Politikerin dank AfD-Stimmen ins Amt kam – mitten im Ruhrgebiet ein Affront, der sogar mit Klagedrohungen quittiert wurde. Wer auf flachen Hurra-Karneval steht, ist hier falsch: Man nimmt sich und die Region mit anarchisch-liebevollem Spott aufs Korn – und bleibt dabei klar gegen Rassismus und Diskriminierung positioniert. Die alten Karnevalsrezepte werden verjüngt, aber nicht vergessen, und das Publikum wird, zumindest in Teilen, auch immer jünger. Trotzdem: Die harte Wahrheit des Strukturwandels macht sich auch im Humor bemerkbar. Ob das Ziel „Was der BVB für den Fußball ist der Geierabend für den Karneval“ am Ende aufgeht? Tickets gibt’s jedenfalls noch für die legendäre „Wilde Woche“ im Februar.

Der Geierabend auf Zeche Zollern gilt als schrägste Karnevalsveranstaltung des Ruhrgebiets und verbindet seit Jahrzehnten bissige Satire mit rockig-poppigen Musik-Acts. In der Woche vor dem Höhepunkt des Karnevals gibt es sieben Abende lang ein energiegeladenes Live-Programm, das sich gezielt von traditionellen Kölner Büttenabenden abgrenzt und mit gesellschaftspolitischen Spitzen, Regionalstolz und einer großen Portion Selbstironie punktet. 2026 sorgt die Verleihung des selbstgebastelten Karnevalsordens für politischen Wirbel: Die Ehrung einer Politikerin, die mit AfD-Unterstützung ins Amt kam, löste Empörung und sogar juristische Drohungen aus – ein typisch satirisches Spiel mit dem Ernst der Lokalpolitik. Ergänzend aus aktuellen Recherchen zu Karneval und Kultur im Ruhrgebiet: Der Geierabend ist laut taz ein Paradebeispiel für gelungenen Strukturwandel in der Kulturszene und hat seit der Pandemie an Frische gewonnen, weil er gezielt jüngere Mitwirkende anspricht und gesellschaftliche Themen wie Diversität und Klimawandel künstlerisch verarbeitet (Quelle: https://taz.de). Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung werden 2024 generell alternative Karnevalsformate im Westen beliebter, viele traditionelle Sitzungen verlieren Publikum, während innovative Shows wie der Geierabend wachsenden Zulauf haben (Quelle: https://www.sueddeutsche.de). Perspektive Daily analysiert, dass lokale Kulturformate Menschen stärker verbinden als große Volksfeste, und hebt dabei den Geierabend als Vorbild für nachhaltig organisierte, integrative Kulturprojekte hervor (Quelle: https://perspective-daily.de).

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