Generation 50plus bleibt beim Thema Weiterbildung häufig außen vor

Eschborn – Weiterbildung gilt zwar als Schlüsselelement moderner Personalarbeit, doch Menschen über 50 fallen hierzulande erstaunlich oft durchs Raster. Die erste Randstad-ifo-HR-Studie für 2026 verdeutlicht: Mitarbeiter:innen jenseits des halben Jahrhunderts nehmen nachweislich seltener an Weiterbildungen teil als ihre jüngeren Kolleg:innen. Ausgerechnet diese wachsende Gruppe wird damit bei Qualifizierungsinitiativen sträflich vernachlässigt – obwohl sie angesichts von Fachkräftemangel dringender gebraucht würde als je zuvor.

15.04.26 12:22 Uhr | 7 mal gelesen

Kernerkenntnisse auf einen Blick:

Weiterbildung bleibt im Unternehmenskontext ein großer Faktor: 61 % der Firmen fokussieren dabei die Vermittlung neuer Skills, 60 % erhoffen sich mehr Motivation und Loyalität im Team, 43 % setzen auf die Vertiefung bestehender Kompetenzen. Im Jahr 2025 nutzten laut Studie rund ein Drittel der Beschäftigten Weiterbildungsangebote – auf dem Niveau des Vorjahres.

Wenig Aufmerksamkeit für die Erfahreneren

Doch gerade bei Mitarbeitern Ü50 klafft eine Lücke: Fast jede fünfte Person in dieser Altersgruppe bleibt ohne jede Weiterbildung (18 %) – das ist dreimal so oft wie bei Jüngeren. Und siehe da: Unternehmen räumen ein, speziell für jene über 50 seltener gezielte Lernchancen zu schaffen.

"Die Weiterbildungsfrage beeinflusst nicht nur Innovationsfähigkeit, sondern letztlich die Unternehmenszukunft insgesamt", sagt Dr. Christoph Kahlenberg von der Randstad Akademie. "Dass besonders Menschen mit viel Berufserfahrung und Know-how durchs Raster fallen, überrascht und besorgt: Wer auf ihre Qualifikation verzichtet, verspielt angesichts der demographischen Entwicklung nachhaltige Wettbewerbschancen."

Bindungsstrategien statt Entwicklung

Rund 37 % der Beschäftigten der befragten Unternehmen sind bereits über 50. Bei Neueinstellungen machen sie nur 17 % aus. Älteren wird zwar mit flexibleren Arbeitszeiten (87 %), ergonomischen Arbeitsplätzen (50 %) und Gesundheitsförderung (43 %) entgegengekommen – gezielte Qualifizierung bekommen nur 9 %.

"Erfahrung ist Gold wert, aber Gold muss gepflegt werden", meint Kahlenberg. "Wenn Unternehmen ältere Mitarbeitende nicht fördern, läuft etwas schief, gerade wenn wir alle ohnehin länger arbeiten werden müssen. Weiterbildung darf kein Privileg der Jugend sein."

Zur Randstad-ifo-HR-Befragung

Für die Analyse wurden quartalsweise Personalverantwortliche (jeweils 500–1000) unterschiedlicher Branchen in Deutschland befragt. Auftraggeber ist Randstad, Ausführung das ifo-Institut.

Randstad auf einen Blick

Randstad zählt global zu den führenden Human Resources-Dienstleistern und ist seit über 55 Jahren in Deutschland präsent. Mit mehr als 28.000 Mitarbeitenden an 390 Standorten und einem Milliardenumsatz ist das Unternehmen ein Schwergewicht in der Branche. Der Fokus liegt auf fairen Chancen und passgenauer Vermittlung – digital, operativ und branchenspezifisch. Weltweit sind rund 38.000 Mitarbeitende für mehr als 1,7 Millionen Menschen und fast 150.000 Unternehmen im Einsatz. CEO von Randstad Deutschland ist Henri Viswat (Stand 2025).

Ansprechpartnerin Presse: Bettina Desch, Randstad Pressestelle (Tel. 01525 / 450-9349, Mail: presse@randstad.de)

Die Befragung hebt eine auffällige Benachteiligung älterer Beschäftigter bei Weiterbildungsangeboten hervor – ein Defizit, das besonders in Zeiten von Arbeitskräftemangel schwer wiegt. Speziell ältere Fachkräfte werden von Unternehmen primär über flexiblere Arbeitsbedingungen motiviert, nur selten aber gezielt entwickelt. Hintergrundrecherche bestätigt diesen Trend: Verschiedene aktuelle Analysen sehen ebenfalls Nachholbedarf bei der Qualifizierung erfahrener Mitarbeiter in Deutschland und weisen darauf hin, dass viele Unternehmen scheinbar ungenutzte Potenziale nicht aktivieren. Laut einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit fehlen in Deutschland 2024 überdurchschnittlich viele Fachkräfte im technischen und sozialen Bereich, wobei gerade ältere Arbeitnehmer wegen fehlender Angebote und Digitalisierungsängsten zurückbleiben. Verschiedene Untersuchungen (u.a. der Universität Duisburg-Essen) zeigen zudem, dass altersgemischte Teams und lebenslanges Lernen entscheidende Faktoren sind, um der demografischen Entwicklung zu begegnen und Unternehmen resilienter zu machen. Experten warnen davor, dass verpasste Investitionen in die Weiterbildung Älterer nicht nur individuellen Karrierewegen, sondern dem gesamten Standort schaden – und drängen auf flexiblere, niedrigschwellige Qualifizierungsmodelle.

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