Kluge Köpfe, vorsichtiger Optimismus
In beinahe allen Beratungsfeldern scheint die Sonne ein Stück heller – außer in der HR-Beratung, wo der Index leicht um 0,6 Punkte auf trübe 82 sinkt. Rund ein Drittel der Stimmen rechnet auch künftig nicht mit besserer Wetterlage in diesem Segment. Im Kontrast dazu erlebt die Organisations- und Prozessberatung den kräftigsten Sprung (+0,9 Punkte, Index bei 86). Unangefochtener Spitzenreiter bleibt aber die Sanierungsberatung: Indexwert 106, kurze Zwischenfrage – wem nützt das? Offenbar jenen Unternehmen, die gerade durch Krisen waten. 52 Prozent der befragten Sanierer schauen auf gute Zeiten, ein Indiz für die verbreitete Unsicherheit deutscher Unternehmen, vielleicht sogar ein Fingerzeig auf drohende Umbrüche im Markt.
Auch die übrigen Disziplinen – Strategie-, IT- und Prozessberatung – blicken ein Stück mutiger nach vorne. Besonders bei Häusern mit einem Umsatz zwischen 10 und 50 Millionen Euro (+4,4) oder gar über 50 Mio. (+4,5) wächst der Optimismus messbar. Selbst die Kleinen holen auf: Nur noch knapp ein Viertel erwartet in der zweiten Jahreshälfte rote Zahlen, verglichen mit den bisherigen 41 Prozent. Stichwort Strukturwandel im Team
Spannend: Fast 60 Prozent der befragten Beratungen operieren heute noch klassisch-pyramidal. Doch ein Wandel zeichnet sich ab – 45 Prozent sehen sich in fünf Jahren mit flacherer Hierarchie (diamantförmig) konfrontiert. Warum? Unter anderem, weil KI-Tools Routinearbeit verschlanken. Einiges bleibt jedoch menschlich: Die Branche setzt weiterhin auf junge Talente, wenngleich deren Jobprofile längst im Wandel sind. Iris Grewe vom BDU betont: Nachwuchs bleibt gefragt, die Aufgaben verschieben sich aber Schritt für Schritt.
Wissenswert am Rande: Der BDU vereinigt rund 600 Betriebe mit ca. 19.000 Köpfen – er gehört weltweit zur Führungsriege der Consultingverbände. Der Index basiert auf dem ifo-Modell, wird vierteljährlich berechnet und ordnet Beratungsfirmen nach Umsatzgröße. Die Studie: 235 Beratende gaben ihre Einschätzung ab.
Im Kern signalisiert dieser Bericht: Nach langem, kühlen Wind erfasst wieder vorsichtige Hoffnung die deutsche Consulting-Branche. Besonders die Sanierungsberatung profitiert von wirtschaftlicher Unsicherheit, zugleich setzen neue technologische Möglichkeiten die traditionellen Teamstrukturen unter Druck. Ein kritischer Nebenaspekt: Die Konsolidierung am Markt könnte kleiner Beratungen stärker treffen, sollte die konjunkturelle Erholung nur von kurzer Dauer sein. Ferner verschiebt sich der Fokus personeller Strategien zunehmend weg von repetitiven Einstiegsjobs hin zu qualifizierten, KI-gestützten Aufgaben. Laut aktuellen Medienberichten fällt auf, dass große Beratungsfirmen sich nach schwierigen Jahren deutlich resilienter zeigen; Digitalisierungsdruck und geopolitische Unsicherheiten zwingen allerdings viele Unternehmen, ihre Strategien regelmäßig nachzujustieren. Und nicht zu vergessen: Der globale Beratungsmarkt befindet sich auch weiterhin im intensiven Wettbewerb um Talente mit Tech- und Analyse-Know-how.