Gestalten für Berlin: Eine Hommage an 80 Jahre Design aus der weißensee kunsthochschule berlin

Wer mit offenem Blick durch Berlin läuft, begegnet überall Gestaltungswillen – vieles davon stammt von Generationen der weißensee kunsthochschule berlin. Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge widmet der traditionsreichen Designausbildung jetzt eine besondere Ausstellung. Gezeigt werden prägende Arbeiten und neue Ideen – mit der Frage: Was heißt es heute überhaupt, Designer*in zu sein? Los geht’s ab dem 15. April 2026.

heute 16:32 Uhr | 2 mal gelesen

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, entstanden, ist die Geschichte der weißensee kunsthochschule berlin eng verwoben mit den Brüchen und Neuanfängen der Stadt. Damals galt die Parole: Kunst soll im Leben wirken, gerade hier, wo Krieg und Mangel Alltag waren. Die Vision der Schule? Keine elitäre Kunstakademie, sondern eine zum Anfassen, mitten im Berliner Nordosten. Pioniere wie Mart Stam oder Herbert Hirche prägten das pädagogische Konzept: flache Hierarchien, praktisches Arbeiten und ein Studium, das fächerübergreifend allerhand Grenzen sprengt – von Malerei über Mode bis hin zur Keramik. All das ist, mit kleineren Schwankungen, erstaunlich lebendig geblieben. Und tatsächlich hängt bis heute so manches Stück Berliner Stadtbild am Gestaltungsfaden der Weißenseer – seien es Entwürfe für die U-Bahn, ikonische Plakate, technische Lösungen oder gar Details an Fassaden, die unser Klima schützen sollen. Das Museum der Dinge zeigt zum 80. Geburtstag das breite Spektrum dieser Arbeit – ein buntes Mosaik, das nie vorgibt, erschöpfend zu sein. Es ist eher ein Streifzug durch vielgestaltige Epochen und Fragestellungen: Was soll Design leisten? Kann es zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme beitragen, gerade jetzt, wo im Kultur- und Bildungsbetrieb der Rotstift regiert? Die Ausstellung, ein Gemeinschaftswerk von Hochschule und Museum, lädt zum Weiterdenken ein – und vielleicht zu ein bisschen Stolz auf das, was Berliner Gestalter*innen seit Jahrzehnten umrühren.

Die Sonderausstellung "Gestalten für Berlin" im Werkbundarchiv – Museum der Dinge wirft zum 80-jährigen Bestehen der weißensee kunsthochschule berlin einen differenzierten Blick auf die Ausbildung und Wirkung von Designerinnen und Designern, die Berlins Alltagsleben seit der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart formen. Im Fokus steht dabei nicht nur historische Formgestaltung, sondern auch, wie sich aktuelle gesellschaftliche Krisen und Restriktionen im Kulturbereich auf Design und Lehre auswirken. Aktuelle Recherchen zeigen zudem, dass die Bedeutung der Verbindung von Design, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung wächst: Viele Absolvent*innen der weißensee kunsthochschule engagieren sich inzwischen im Bereich „Social Design“ und entwickeln Projekte zu nachhaltiger Stadtentwicklung, Klimaschutz und neuer Mobilität. Gleichzeitig wird in der Berliner Kulturlandschaft teils heftig über Sparmaßnahmen an öffentlichen Hochschulen diskutiert; in Fachkreisen gilt Weißensee dennoch als eine der progressivsten Kaderschmieden für kreativen Nachwuchs. Auch in der aktuellen Designszene Berlins spürt man, wie wichtig der interdisziplinäre Ansatz von Weißensee ist – besonders beim Umgang mit den Herausforderungen Digitalisierung und steigender sozialer Ungleichheit.

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