Gysi plädiert für Lockerung der Unions-Blockade gegenüber der Linken

Gregor Gysi, einer der bekanntesten Köpfe der Linken, bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Union bald ihre Abgrenzungspolitik gegen die Linke überdenkt. "Wir tun oft mehr für die Union, als es die AfD je könnte", betont er gegenüber dem SZ-Magazin.

heute 11:59 Uhr | 2 mal gelesen

Im Hinblick auf die politische Lage, vor allem im Osten Deutschlands, hält Gysi es für wahrscheinlicher, dass die lange gepflegte Brandmauer der Union zur Linken eher fällt als gegenüber der AfD. Er äußert ganz offen die Hoffnung darauf – sowohl mit Blick auf das gesellschaftliche Klima als auch aus strategischen Gründen für die Union selbst. Gleichzeitig bleibt die Gegenposition sichtbar: Horst Seehofer, früheres CSU-Urgestein, hält weiterhin an einer klaren Grenze nach beiden Seiten fest und argumentiert, der Sozialismus, den die Linke vertrete, habe historisch stets zu weniger Wohlstand und geringerer Freiheit geführt. Interessanter Wechsel: Auf die Frage nach Hoffnungsträgern in der aktuellen Politik nennt Seehofer kaum überraschend – oder vielleicht doch überraschend? – den Grünen Cem Özdemir.

Gysi, der als eine Art politisches Gedächtnis der Linken gilt, stellt infrage, wie sinnvoll die bisherige Haltung der Union gegenüber seiner Partei wirklich ist – und sieht im Osten Anzeichen für eine mögliche Öffnung. Seehofer dagegen wirkt wie ein wandelndes Bollwerk, der an alten Feindbildern festhält. Während die politische Landschaft sich sichtbar wandelt, werden erneut Zweifel an den alten Abgrenzungen laut, was auch in anderen aktuellen Debatten um die demokratischen Spielfelder und in der Diskussion über mögliche Koalitionen mitschwingt. Neuere Berichte aus anderen Medien erwähnen, dass sich die Blockadehaltung der Union in aktuellen Umfragen kaum auf die Wählergunst, jedoch zunehmend auf die Koalitionsfähigkeit auswirkt. Ebenso betonen Politikwissenschaftler, dass starre Abgrenzungsbeschlüsse angesichts zunehmender Zersplitterung der Parteienlandschaft wohl bald neu bewertet werden müssen. Es bleibt umstritten, ob und wann eine Annäherung von Union und Linken realistisch ist – zumal im Osten, wo politische Mehrheiten immer komplizierter werden.

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