Woidke fordert eigenen Stromtarif für den Norden und Osten Deutschlands

Dietmar Woidke, Brandenburgs Regierungschef, setzt sich für eine Aufspaltung des Strompreises ein, damit der günstige Windstrom direkt den Unternehmen in Nord- und Ostdeutschland zugutekommt.

12.07.26 23:32 Uhr | 3 mal gelesen

Es ist schon ein bisschen schräg: Ausgerechnet da, wo der Wind die meiste Energie bringt, zahlen die Menschen und Unternehmen trotzdem denselben, oft zu hohen Strompreis wie im Süden. Woidke, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt (jedenfalls wirkt es so), sieht in diesem Einheitssystem einen echten Konstruktionsfehler. Für ihn ist klar: Nicht der Strom sollte über teure Trassen kreuz und quer durchs Land transportiert werden, nur damit Bayern & Co an günstigen Windstrom kommen – vielmehr sollten die Regionen, in denen der Wind weht, auch von ihrem Standortplus profitieren dürfen. Klingt logisch, oder? Was dabei übersehen wird: Gerade das Festhalten an einer einheitlichen Strompreiszone – ein politisch hoch fragiles Thema, wie man sich denken kann – wird im aktuellen Koalitionsvertrag ausdrücklich bekräftigt. Bayerns CSU will davon partout nicht abweichen. Woidke nennt das einen schweren Fehler, denn: Brandenburg – ein Land, das sich stolz auf seine Windräder beruft – verliert auf diese Weise einen Wettbewerbsvorteil. Seine Überlegung: Besser neue Fabriken siedeln sich dort an, wo sauberer, günstiger Strom vorhanden ist, als dass sie ins Ausland abwandern. Selbst Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther, eigentlich CDU-Mann, denkt da inzwischen ähnlich wie Woidke. Kurios, wie schnell die Karten bei solchen Themen plötzlich ganz neu gemischt werden.

In Deutschland tobt erneut die Debatte um regionale Stromtarife – angefeuert durch Dietmar Woidke, der die aktuelle Einheitslösung infrage stellt. Die Frage dahinter ist mehr als nur technisch: Es geht um Standortpolitik, Chancengleichheit und die Zukunft energieintensiver Unternehmen. Experten warnen indes vor möglichen Benachteiligungen einzelner Regionen und einer Zersplitterung des Marktes, speziell in Bezug auf die nationale Versorgungssicherheit. Laut Recherchen halten viele Entscheidungsträger jedoch an der einheitlichen Preiszone fest, auch weil die Gefahr einer stärkeren Nord-Süd-Spaltung besteht. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die in einer Reform der Preiszonen eine echte Chance für die Energie- und Wirtschaftswende sehen – nicht zuletzt, um Industrieabwanderungen nach Frankreich oder Polen zu verhindern.

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