Man kennt ja diese angespannte Stimmung am Wahltag: Eigentlich geht’s um Zukunftsfragen, aber am Ende ist dann plötzlich alles irgendwie ganz gegenwärtig. Nun, in Hamburg hat sich, Stand jetzt, eine spürbare Skepsis gegen olympische Ambitionen breitgemacht. In jedem Bezirk – querbeet durch die Hansestadt – geben die Abzählungen bisher den Kritikern Rückenwind. Fast 54 Prozent wollen offenbar nichts wissen von den Ringen und dem internationalen Sportzirkus, zumindest laut den bisherigen Zahlen. Die ganze Geschichte läuft noch, Endstand kommt wohl erst am späteren Sonntagabend (irgendwo zwischen Tatort und Tagesschau, rate ich mal ins Blaue). Die Wahlbeteiligung scheint mit knapp 50 Prozent auch so ein Mittelding – ambivalent genug, um allen Seiten Argumente zu liefern. Vielleicht mischt sich da Enttäuschung über frühere Prozesse, vielleicht Furcht vor Kosten, Kommerz, Baustellen? Oder ist es alles nur ein Spiegelbild der politischen Zweifel dieser Tage?
Hamburg steht aktuell kurz davor, die Pläne für eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele aufzugeben, nachdem die ersten Hochrechnungen eine Mehrheit gegen das Vorhaben zeigen. Trotz einer Beteiligung von etwa 49,5 Prozent zeichnen sich in sämtlichen Stadtteilen Widerstände ab, wobei Ängste vor Kostenexplosionen, Umweltbelastungen und Gentrifizierung immer wieder als Gründe genannt werden. In jüngeren Medienberichten werden zudem Erinnerungen an das gescheiterte Referendum 2015 wach, das ähnliche Dynamiken offenbarte und die anhaltende Skepsis gegenüber solchen Großprojekten zeigt.