Hausärzte prangern fragwürdige Abrechnung für Eil-Facharzttermine an

Köln – Nach Hartnäckiger Recherche deckt das WDR-Magazin 'Markt' für die ARD auf: Hausärzte fühlen sich bei der Vergabe dringlicher Überweisungscodes für Facharzttermine zunehmend unter Druck gesetzt.

heute 07:05 Uhr | 2 mal gelesen

Wer schon mal einen Facharzttermin gebraucht hat (und wer nicht?), weiß: Warten kann ziemlich nerven. Doch eigentlich gibt’s Tricks, um schneller ranzukommen – zumindest auf dem Papier. Hausärzte können in bestimmten Fällen Dringlichkeitscodes oder sogenannte Hausarztvermittlungsfälle ausstellen. Damit sollen gesetzlich Versicherte in wirklich medizinisch heiklen Situationen früher beim Facharzt drankommen. Was ursprünglich fair gedacht war, hat sich anscheinend mancherorts ins Gegenteil verkehrt: Mehr als 750 Hausärztinnen und Hausärzte aus allen Bundesländern bestätigten in einer (nicht repräsentativen) Umfrage des WDR, dass das System ausgenutzt werde. Viele niedergelassene Hausärzte klagen, dass Fachärzte gezielt auf die lukrativeren, dringlichen Überweisungen pochen – nicht nur, wenn’s dringend ist. Routinepatienten mit „normalen“ Überweisungen werden schlicht zurückgeschickt. Das Problem kommt nicht aus dem Nichts: Seit 2019 regelt das Terminservice- und Versorgungsgesetz die Vergabe dieser Überweisungen. Mittlerweile hagelt es Kritik von vielen Seiten – Krankenkassen und Bundesrechnungshof sprechen von zusätzlichen Millionenlasten zulasten der Beitragszahler. Und die Wartezeiten? Sind für viele Kassenpatienten sogar gestiegen. Der Fachärzte-Verband sieht das anders: Ohne finanzielle Anreize könne das Angebot gar nicht ausgebaut werden, Personal koste eben Geld. Die Diskussion bleibt damit – wie so oft im Gesundheitssystem – festgefahren zwischen ökonomischem Druck und medizinischen Bedürfnissen.

Der Bericht legt offen, wie vermeintliche Reformen zur Beschleunigung von Facharztterminen ins Gegenteil umschlagen können: Das aktuelle System, das eigentlich Hilfe in medizinischen Notlagen bieten soll, wird laut Hausärzten zunehmend missbraucht – oft auf Kosten normaler Patienten und Beitragszahler. Für den Ausbau des Angebots fordern Facharztverbände mehr finanzielle Freiheit, während Kassen und Prüfinstanzen massive Fehlanreize kritisieren. Inzwischen spitzen sich die Wartezeiten weiter zu – und der Druck auf das gesamte System wächst. Laut neuen Medienberichten verschärft sich die Debatte: Die Frankfurter Allgemeine beschreibt, dass Arztpraxen deutschlandweit aufgrund Überlastung und finanzieller Unsicherheit häufiger Termine ablehnen, so dass sich der Zeitdruck für Patienten verschärft (Quelle: [FAZ](https://www.faz.net)). Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass viele Facharztpraxen nicht mehr genügend Personal finden, um das gewachsene Terminaufkommen zu stemmen, was die Lage weiter verschärft (Quelle: [Sueddeutsche](https://www.sueddeutsche.de)). Zeit Online berichtet, dass die Diskussion um eine tiefgreifende Struktur- und Finanzreform im Gesundheitssystem auch eine bessere Steuerung von Ressourcen und eine stärkere Rolle ambulanter Zentren einfordert (Quelle: [Zeit](https://www.zeit.de)).

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