Fachkräftemangel in Deutschland: Entspannung mit Einschränkungen

In deutschen Unternehmen entspannt sich die Suche nach Fachkräften, doch die Probleme sind längst nicht gelöst.

heute 07:57 Uhr | 5 mal gelesen

Laut der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts zeichnet sich eine kleine Entlastung für die Firmen in Sachen Fachkräftebedarf ab. Im Januar berichteten 22,7 Prozent der befragten Unternehmen über einen Mangel an qualifiziertem Personal - das ist im Vergleich zu den 25,8 Prozent aus dem vergangenen Oktober ein spürbarer Rückgang. Interessant ist dabei, dass dieser Wert so niedrig ist wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die schleppende Wirtschaftslage spielt wohl eine nicht ganz unerhebliche Rolle, sagt zumindest Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe. Gleichzeitig verschieben technologische Trends - allen voran die immer schnelleren Entwicklungen bei der künstlichen Intelligenz - allmählich die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Mit Blick auf einzelne Branchen zeigt sich das besonders im Sektor Transport und Logistik, wo die Zahl der Unternehmen mit Personalnot von 42,7 auf immerhin 30,6 Prozent zurückging. Doch auch im Dienstleistungsbereich wird weiter nach qualifizierten Mitarbeitern gerungen, besonders bei Rechts- und Steuerberatern (fast 60 Prozent betroffen) und Zeitarbeitsfirmen. Dagegen berichten im industriellen Sektor rund 16,6 Prozent der Unternehmen von Personalproblemen, ein leichter Rückgang. Die Automobilbranche und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen liegen sogar unter der Zehn-Prozent-Marke. Im Maschinenbau gibt es weiter Bedarf, rund 19 Prozent sind hier betroffen. Der Handel kann ebenfalls ein bisschen aufatmen: Nur noch 18 Prozent der Firmen haben hier Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden, vom Einzelhandel über den Großhandel bis zum Baugewerbe, wo die Lage aber mit 30 Prozent Betroffenen weiter angespannt bleibt. Trotz all dieser leichten Verbesserungen warnt Wohlrabe vor voreiligen Schlussfolgerungen: Die alternde Gesellschaft und die wachsende Bedeutung von Technologie fordern ihre Tribute. Wer heute Personal sucht, muss morgen vielleicht schon ganz andere Kompetenzen erwarten – alles bleibt in Bewegung, so scheint es.

Aktuell entspannt sich der Fachkräftemangel in vielen Branchen Deutschlands. Während sich insbesondere in der Logistik und im Handel ein Rückgang bemerkbar macht, bleiben Berufe mit hohen Spezialisierungsanforderungen wie Rechtsberatung und das Bauhauptgewerbe weiterhin besonders betroffen. Die Gründe liegen einerseits in den geringeren Konjunkturerwartungen, andererseits aber auch im technologischen Wandel, der die Qualifikationsprofile verschiebt und den Bedarf an bestimmten Fähigkeiten verringern oder erhöhen kann. Nach aktuellen Medienrecherchen spielen auch Zuwanderung und Integrationsmaßnahmen eine zunehmend wichtige Rolle: Beispielsweise berichtet Spiegel.de über Erleichterungen bei der ‚Blauen Karte EU‘ für ausländische Fachkräfte, und Zeit.de hebt hervor, wie KI-basierte Matching-Plattformen zunehmend bei der Personalvermittlung unterstützen. Gleichwohl warnen Experten nahezu einhellig, dass die demografische Entwicklung mittelfristig zu erneuten Engpässen führen könnte, die nur durch Weiterbildung, digitale Transformation und gezielte Zuwanderung abgemildert werden können.

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