„Wenn ich an die Situation vor 25 Jahren zurückdenke, war die Stimmung konkurrenzlos optimistisch: ‚Umgeben von Freunden‘ war fast ein geflügeltes Wort“, sinniert Thorsten Frei im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. Heute jedoch mischt sich Skepsis unter die Zuversicht – politische Machtspiele sind zurück, so Frei, und sie haben das Zeug dazu, unser tägliches Leben elementar zu beeinflussen. Nichts anderes als Frieden und Sicherheit stehen auf dem Spiel. Rückblickend habe Deutschland acht Jahrzehnte in ungeahnter Stabilität verbracht. Man könnte fast meinen, das sei zur einfachen Erwartungshaltung geworden. Trotzdem sieht Frei Gründe, an eine dauerhafte Partnerschaft mit den USA zu glauben, selbst angesichts des teils unterkühlt wirkenden Auftritts von US-Außenminister Marco Rubio: „Als ökonomischer Gigant inmitten Europas sind wir sehr wohl in der Lage, den USA auf Augenhöhe zu begegnen. Darauf bauen auch Rubios Appelle an.“ Doch die Veränderung der transatlantischen Beziehungen sei unausweichlich – dennoch, meint er, bleibe deren Fundament stabil. Frei hebt zudem die Bedeutung traditioneller Nationalstaaten erneut hervor: „Gerade, wenn es draußen rauer wird, müssen Grundsatzdebatten hintangestellt werden. Ohne Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Polen – und ja, rascher Austausch mit all diesen Staaten ist entscheidend – verliere unsere europäische Sicherheitsarchitektur an Glaubwürdigkeit.“
Thorsten Frei betrachtet die Rückkehr geopolitischer Spannungen mit Sorge. Er mahnt, dass Deutschland sich nicht der Illusion alter Harmonie hingeben dürfe und vielmehr aktiv an einer stabilen europäischen Sicherheitsarchitektur mitwirken müsse. Der Dialog und die Zusammenarbeit mit transatlantischen Partnern wie den USA bleiben für ihn unersetzlich, auch wenn sich deren Charakter wandelt. Nationalstaaten sieht er weiterhin als unentbehrliche Pfeiler – zu starke bürokratische Debatten auf EU-Ebene könnten aktuellen Gefahren leicht Vorschub leisten. Aktuelle Recherchen zeigen: Das angespannte Verhältnis zwischen den USA und Europa, vor allem angesichts der US-Wahlen und globaler Krisenherde, prägt die Sicherheitspolitik in Europa massiv. Zeitgleich häufen sich im Kontext der Sicherheitskonferenz die Appelle, die eigene Verteidigungsbereitschaft auszubauen und nicht länger auf die Verlässlichkeit amerikanischer Schutzgarantien zu setzen. Aus verschiedensten Perspektiven wird klar: Die Diskussion um militärische und diplomatische Selbstständigkeit Europas dürfte so schnell nicht verstummen.