Streeck warnt vor einfachen Antworten beim Social-Media-Umgang

Hendrik Streeck, Suchtexperte der Bundesregierung (CDU), hält ein generelles Social-Media-Verbot für zu kurz gegriffen.

heute 08:02 Uhr | 4 mal gelesen

Ganz ehrlich – mir fehlt etwas der Glaube an die Wirkung eines pauschalen Social-Media-Verbots, wie es jetzt in der Diskussion ist. Hendrik Streeck, CDU-Politiker und Drogenbeauftragter, sieht das offenbar ähnlich. Im Gespräch mit dem Focus betont er, dass bloße Verbote kaum ausreichen: Es gehe um ein echtes Gesamtpaket – von Medienkompetenz bis zum Ändern der Plattform-Designs, die süchtig machen. Was viele unterschätzen: Bereits jedes vierte Kind zeigt problematisches Medienverhalten, und das liegt nicht allein an fehlender Selbstkontrolle, sondern auch an den Sogkräften, die Instagram, TikTok & Co. gezielt installieren. Streeck hat ausdrücklich Sympathie für Initiativen, die Kinder und Jugendliche online schützen wollen, ob von der SPD oder anderen Fraktionen. Aber die Sache bleibt eben kompliziert – politische Lösungen, die nach schnellen Siegen klingen, sind beim Thema digitale Sucht selten nachhaltig.

Hendrik Streeck sieht in pauschalen Social-Media-Verboten für Kinder kein Allheilmittel gegen problematischen Medienkonsum. Entscheidend seien weitgreifende Maßnahmen wie bessere Bildungsarbeit, klare Verantwortlichkeiten der Plattformen und strukturelle Sicherheitsmaßnahmen gegen suchtfördernde Inhalte und Designs. Während Studien das hohe Risiko für junge Nutzer unterstreichen, plädiert auch Streeck parteiübergreifend für mehr digitalen Jugendschutz – er warnt jedoch vor einfachen Lösungen und fordert eine differenzierte, wirksame Strategie. Aktuelle Recherchen zeigen, dass die Bundesregierung aktuell eine Novelle des Jugendschutzgesetzes diskutiert, die unter anderem strengere Verifizierungs- und Kontrollpflichten für Plattformbetreiber, umfassendere Aufklärungsangebote für Schulen und Familien sowie eine engere Zusammenarbeit mit Tech-Unternehmen vorsieht. Auch international ist die Debatte virulent: In mehreren europäischen Ländern laufen Pilotinitiativen mit digitalen Ausweisen zur Altersüberprüfung und Modelle für verpflichtende Medienbildung ab der Grundschule. Zugleich warnen Experten jedoch, dass selbst die beste Regulierung soziale und psychische Herausforderungen nicht komplett auffangen kann.

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