Hochkönig: Ein Winterweitwanderweg für Genießer der Stille

Im Winter zieht es Menschen längst nicht mehr nur auf die Skipisten. Am Hochkönig gibt es jetzt einen besonderen Wanderweg, der das Bedürfnis nach Ruhe, authentischer Bewegung und kleinen Entdeckungen zwischen verschneiten Almen stillt.

heute 18:23 Uhr | 4 mal gelesen

Winter – das war für mich früher immer Skibrille auf, Schwung für Schwung ins Tal und danach eine anständige Portion Kaiserschmarrn zwischen johlenden Après-Ski-Gästen. Doch irgendwie verändert sich das gerade; nicht nur bei mir, scheint mir. Diese ständig laute Winterkulisse, das Getriebensein – viele sehnen sich zunehmend nach der anderen Seite des Winters: Im Schnee langsam unterwegs sein, den Atem hören, anhalten und schauen dürfen. Genau diesen Wunsch greift der neue Winterweitwanderweg am Hochkönig auf. Das Schöne: Kein aufwendiges Inszenieren, keine neue Spur ins Gelände – man nutzt bereits vorhandene Wege und verbindet sie zu einer Route, die in vier Tagen beinahe 40 Kilometer durch die eindrucksvolle Berglandschaft führt. Man startet meistens in Maria Alm, wandert teilweise mit Blicken zum majestätischen Hochkönig, bleibt aber – was fast luxuriös anmutet – die ganze Zeit in derselben Herberge. Morgens raus, abends heim – kein Kofferziehen, keine Hektik. Die Abschnitte lassen sich sogar nach Wetter, Lust und Laune variieren, ohne dass man sich gleich selbst aushebelt. Dass Nachhaltigkeit und regionale Produkte fest zum Konzept gehören, ist für mich mittlerweile fast schon selbstverständlich, aber hier wirkt es tatsächlich glaubwürdig und nicht wie bloße Marketingfloskel. Und kulinarisch dürfte auch niemand enttäuscht werden: Mit Berghütten inklusive typischer Schmankerl ist für Genussmenschen gesorgt. Unterm Strich bleibt: Wer im Winter nicht auf den klassischen Adrenalinkick aus ist, findet hier einen Platz für echte Erholung.

Das Winterweitwandern am Hochkönig setzt auf entschleunigtes Naturerleben und vermeidet jegliche Effekthascherei. Die Route verläuft auf gepflegten, schon bestehenden Wegen, wodurch keine neuen Eingriffe in die Landschaft notwendig sind. BesucherInnen erleben nicht nur abwechslungsreiche Panoramen, sondern tauchen auch ein in die Region – in Geschichte, Natur und Kulinarik –, und stärken dank der sternförmigen Unterkunftsstruktur die lokale Wirtschaft. Anders als bei typischen Skigebieten liegt hier der Fokus auf nachhaltigem, ressourcenschonendem Wintertourismus. Laut aktuellen Berichten aus den vergangenen Tagen setzt sich dieser Trend weiter durch: Viele Alpenregionen versuchen derzeit, das touristische Angebot „leiser“ und vielfältiger zu gestalten – etwa durch neue Touren, entschleunigte Aktivitäten und gezielte Integration von Umwelt- wie Klimaschutzmaßnahmen. Sowohl die taz als auch die Süddeutsche Zeitung griffen das Thema in Bezug auf den wachsenden Wunsch nach entschleunigten Outdoor-Erlebnissen und Grenzerfahrungen in der Natur auf. Vergleichbare Projekte unterstreichen, dass die klassische Skisaison zumindest touristisch Konkurrenz bekommt.

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