ICE zwischen Hamburg und Berlin: Zugfahrten dauern aktuell länger – technische Probleme verzögern Tempo

Seit Mitte Juni sind die ICE-Fahrzeiten zwischen Hamburg und Berlin spürbar länger als zuvor. Schuld sind technische Komplikationen bei der modernisierten Streckensicherung, wie die Bahn bestätigt.

heute 11:21 Uhr | 2 mal gelesen

Es gehört ja fast schon zum Bahnfahren in Deutschland: Man freut sich auf eine zügige Fahrt – und dann wird’s doch wieder eng mit der Zeit. Gerade frisch nach der Wiederöffnung der Route Hamburg-Berlin (14. Juni, man erinnert sich) brauchen ICE-Sprinter und andere Schnellzüge plötzlich fünf bis zehn Minuten länger für die gleiche Strecke. Die Bahn, immer flink mit Ankündigungen und dann doch gebremst, schob diese verzögerten Fahrten der Öffentlichkeit nun offen aufs Butterbrot. Im DB Navigator taucht zwar immer noch die vertraute 1:47 Stunden-Marke für die ICE-Verbindung zwischen den Hauptbahnhöfen auf, aber das ist längst eher Wunschdenken als Realität. Die Macher hinterm Fahrplan sind inzwischen froh, dass sie überhaupt knapp unter zwei Stunden bleiben. Na ja, immerhin. Bis Ende Juni – so ist zumindest der Plan – sollen alle technischen Macken behoben und die berühmte Pünktlichkeit wieder hergestellt sein. Klingt optimistisch. Was steckt hinter der Trödelei? Die Ursache liegt zum einen in Problemen mit der Sicherungstechnik, genauer: Das Zugsicherungssystem LZB (ohne das fährt’s schlecht über 160 km/h) ist auf entscheidenden Abschnitten weiter nicht voll einsatzfähig. Zwei modernisierte Zentralen für diese LZB sind noch nicht durchgewunken worden; Prüfbehörden fehlt offenbar das endgültige Okay. Solange das so bleibt, gilt zwischen Berlin-Spandau und Hagenow-Land erstmal die technische Ersatzlösung PZB – und die lässt nur 160 km/h zu, wo eigentlich 230 km/h möglich wären. Frustrierend für alle, die den ICE wegen seiner Geschwindigkeit lieben. Nun steht auch noch das branchenweite Feilschen um adaptierten Fahrpläne an. Heißt im Klartext: Wie viele Minuten es am Ende länger dauert, ist selbst jetzt noch nicht final klar. "Mehr Gleise, mehr Technik, mehr Probleme?", könnte man fast fragen.

Die verlängerten Fahrzeiten auf der prestigeträchtigen ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin sind ein Symptom für technische Umbausorgen, die sich aus der Umrüstung auf moderne Leit- und Sicherungstechnik ergeben. Nutzer und Planer sitzen dabei gleichermaßen auf heißen Kohlen, denn es bleibt unklar, wann wieder mit normalem Tempo zu rechnen ist. Nach ausführlicher Recherche zeigt sich: Die Bahn plant die LZB-Probleme bis Ende Juni auszuräumen, allerdings hatten schon die Modernisierungen der vergangenen Jahre immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen – Skepsis bleibt angebracht. Darüber hinaus steht die ICE-Linie auch innerhalb der jüngsten Diskussionen um Bahnpriorisierung und lange Bauzeiten im Fokus der Öffentlichkeit: Ein Dauerthema zwischen Erwartungsmanagement und Bahn-Realität.

Schlagwort aus diesem Artikel