Wer hätte das gedacht? Die Lage auf dem Immobilienmarkt spricht eigentlich seit Monaten Bände: Zinsanstieg, knappe Budgets, jede Menge wirtschaftliche Unsicherheit. Trotzdem, und das mag so manchen überraschen, sind die Angebotspreise für Wohnimmobilien im zweiten Quartal noch einmal leicht gestiegen – sowohl bei Häusern als auch bei Wohnungen. Konkret wurde bundesweit bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen jeweils ein Preisanstieg von durchschnittlich 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal verzeichnet.
Der neue immowelt Preiskompass analysiert dazu die Angebote von Bestandswohnungen und -häusern in Deutschland und nimmt vor allem die 15 größten Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner ganz genau unter die Lupe. Theo Mseka, Geschäftsführer von immowelt, bringt es erstaunlich treffend auf den Punkt: 'Wir sehen derzeit, wie robust sich der Immobilienmarkt selbst unter rauen Bedingungen hält. Speziell bei Häusern legt das Preiswachstum sogar noch zu, obwohl es eigentlich allen Prognosen widerspricht.' Das klingt einerseits optimistisch, lässt aber auch Zweifel aufkommen: Wie lange kann das noch gut gehen?
Häuser legen fast überall zu – mit einem Ausreißer
Das auffälligste Bild bietet erneut der Häusermarkt. Nach einer ruhigeren Phase zu Jahresbeginn schießen in 14 von 15 Metropolen die Angebotspreise fürs Eigenheim plötzlich wieder nach oben. Vor allem Gebiete wie Leipzig (+4,0 Prozent), Duisburg (+3,7 Prozent) und Düsseldorf (+3,2 Prozent) stechen hervor. München und Frankfurt, die zu Jahresbeginn stagnierend waren, sind nun wieder im Plus, ebenso Stuttgart, Essen und auch Berlin, wo der Preisanstieg sogar noch an Fahrt gewonnen hat. Nur Köln tanzt aus der Reihe und meldet als einzige Großstadt einen minimalen Rückgang.
Der Grund für diese Entwicklung ist ziemlich simpel – aber unbequem: Es fehlt am Angebot. Neubau geschieht nach wie vor viel zu wenig, Genehmigungen sind zwar im Kommen, bringen aber kurzfristig keine Entspannung. Fertigstellungen? Tendenz sinkend.
Eigentumswohnungen: Leichte Zuwächse, kaum Ausreißer
Auch im Wohnungssegment zeigt sich weiter ein verhaltener Aufwärtstrend. Etwa 13 von 15 analysierten Großstädten erleben ein Plus bei den Angebotspreisen: Dortmund (+4,0 Prozent), Hannover (+3,4 Prozent) und Leipzig (+3,0 Prozent) führen die Liste an. In exklusiveren Metropolen wie Frankfurt und Berlin gibt’s ebenfalls moderate Steigerungen, während München und Stuttgart etwas zurückfallen.
Blick nach vorn: Mehr Belastung, weniger Spielraum
Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Seiltanz: Während die Menschen immer weniger Immobilie für ihr Geld bekommen – der sogenannte Kaufkraftindex rutscht von 122 auf knapp 107 Quadratmeter – schrauben die Banken den Zins wieder aufwärts und die EZB zieht (etwas widerwillig) nach. Das erhöht nicht gerade die Käuferlaune und dürfte die künftige Dynamik dämpfen. So robust der Markt aktuell erscheint, es wird schwerer nachzulegen.
Für tiefergehende Zahlen und regionale Einblicke gibt’s den immowelt Preiskompass Q2/2026 zum Nachlesen.
Über immowelt:
Als einer der großen Akteure unter Deutschlands Immobilienportalen digitalisiert immowelt.de seit 30 Jahren die Branche. Eigentümer, Makler und Wohnungssuchende finden hier alles rund ums Thema – unterstützt durch datenbasierte Technologie und die Erfahrung der AVIV Group im Rücken.
Trotz höherer Bauzinsen und einer spürbar gesunkenen Kaufkraft kennen die Angebotspreise für Immobilien in Deutschlands Großstädten weiterhin nur eine Richtung: aufwärts. Besonders bei Einfamilienhäusern ist der Aufschwung deutlich sichtbar, getrieben durch ein anhaltendes Angebotsdefizit und schwache Neubauzahlen. Auch Eigentumswohnungen verteuern sich, obgleich der Preisauftrieb langsamer ist. Während die Nachfrage robust bleibt, verschärfen steigende Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheiten die Leistbarkeit immer mehr. Dazu kommt: Viele Experten bemerken, dass kurzfristige Preissteigerungen zwar möglich sind – mittelfristig aber eine deutliche Abkühlung drohen könnte, wenn die Zinslast noch weiter steigt oder sich die Wirtschaft verschlechtert. Die unmittelbare Zukunft bleibt spannend, und der Markt hat das Potenzial, deutlich sensibler auf schlechte Nachrichten als in den Jahren davor zu reagieren.