Wenn ein Virus mehr als nur ein Tier bedroht
In hiesigen Zoos leben Tiere, für die jeder einzelne Todesfall das Überleben der ganzen Art beeinträchtigen kann – etwa Balistare, die kaum noch in Freiheit existieren, oder der extrem seltene Edwardsfasan aus Vietnam. Ihr Schicksal hängt nicht selten am seidenen Faden: Kommt ein Krankheitserreger wie die Vogelgrippe durch das Gitter, droht der Kollaps ganzer Zuchtprogramme. Die fragilen Populationen, die durch klimatische Veränderungen, Habitatverlust und Wilderei ohnehin unter Druck stehen, würden von zusätzlichen Seuchenausbrüchen regelrecht dahingerafft.
Aber auch Nutztierbestände – man denke an die Afrikanische Schweinepest oder Blauzungenkrankheit – laufen Gefahr, im Ernstfall reihenweise getötet zu werden, weil geeignete und zugelassene Impfstoffe und praxisnahe Vorschriften fehlen. Der Schaden wäre dann nicht nur ökologisch, sondern geht auch ins Ökonomische.
Deutschland braucht eine praktische Impfstrategie für Zootiere
"Viren und Keime stoppen nicht an Gehegezäunen oder Stalltüren. Impfungen sind kein Nischenthema: Sie betreffen Landwirtschaft, Artenschutz und die Gesellschaft als Ganzes", sagt Volker Homes, Geschäftsführer des Zooverbands. Der Ruf nach einer nationalen Impfstrategie für Zoovögel – insbesondere gegen die Geflügelpest – wird deshalb lauter. Solch eine Strategie verlangt nach passenden Zulassungsverfahren für Impfstoffe, die auf den Alltag in Zoos zugeschnitten sind, sowie verlässlichen Impfstoffreserven und gezielter Forschung.
Zusätzlich sind Regeln auf nationaler wie EU-Ebene nötig, die den Tierimpfschutz nicht verhindern, sondern fördern – und gleichzeitig den Austausch von seltenen Tieren zwischen Zoos sicherstellen, um genetische Vielfalt zu bewahren.
One Health – warum Tierimpfung uns alle betrifft
Viele vergessen gern: Was Tiere krank macht, macht auch uns Menschen nicht selten zu schaffen. Viren, resistente Keime – sie springen zwischen Wildtieren, Nutztieren, Haustieren und Mensch hin und her, gerade jetzt in einer vernetzten Welt. Jeder Pieks zählt, ob beim Exoten im Zoo, Stallvieh oder beim Liebling daheim: Jede Impfung kann die Entstehung gefährlicher Zoonosen begrenzen.
Forschungseinrichtungen wie das Friedrich-Loeffler-Institut stehen in engem Austausch mit Zoos, und schon jetzt zeigen internationale Impfkampagnen zum Beispiel in der Schweiz, dass auch bedrohte Vögel effektiv geschützt werden können. Das sollte Ansporn genug sein, auch auf politischer Ebene nachzuschärfen.
Pressekontakt:
Astrid Falter
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Quelle: Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) über news aktuell
Der Schutz von Wild- und Haustieren durch Impfungen ist nicht nur eine Frage des Tierschutzes, sondern auch ein zentrales Element im Kampf gegen weltweite Seuchenausbreitung. Gerade für Zoos, in denen zahlreiche existenziell bedrohte Arten leben, können Krankheiten wie die Geflügelpest dramatische Konsequenzen haben und nicht selten das Aussterben ganzer Populationen bedeuten. Der Verband der Zoologischen Gärten verlangt deshalb nicht nur speziell angepasste Impfstrategien und bessere Impfstoffzulassungen, sondern auch rechtlich einwandfreie Möglichkeiten zum Austausch schützenswerter Tiere zwischen europäischen Zoos. Experten fordern zudem eine stärkere gesellschaftliche Debatte über die „One Health“-Strategie, bei der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbare Einheit betrachtet wird. Die letzten Entwicklungen zeigen, wie dringlich es ist, robuste Impfstoffreserven aufzubauen, rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen und Forschung gezielt zu fördern – etwa indem Impfstoffe flexibel auf neue Virusvarianten angepasst werden. Seit Beginn der globalen Pandemie ist das Bewusstsein für Krankheitsübertragungen über Arten-Grenzen hinweg gewachsen, und zahlreiche Zoos in Europa setzen inzwischen Pilotprogramme für den Impfschutz bei Tieren auf, unter anderem auch für Tierarten, die bislang wenig beachtet wurden. Dabei zeigen Projekte wie diejenigen in der Schweiz oder am Friedrich-Loeffler-Institut, dass es praktikable Lösungen geben kann – auch wenn noch politische und bürokratische Hürden zu überwinden sind.