Ines Schwerdtner, frisch an der Spitze der Partei Die Linke, bleibt bei ihrer Position: Enteignungen von großen Wohnungskonzernen sollen kommen, koste es, was es wolle. "Wohnen ist ein Menschenrecht – und letztlich muss Politik auch unbequeme Lösungen unterstützen, wenn sie gerecht sind", erklärte sie gegenüber RTL und ntv. Gerade in Berlin sei die Wohnkrise laut Schwerdtner längst nicht mehr zu übersehen. Es fehle an bezahlbaren Wohnungen, während die Mieten ungebremst steigen. Wo Wohnungsnot herrsche, müsse der Staat eben handeln – auch wenn das ein hohes Preisschild hat oder nicht allen gefällt. Nicht nur sozialer Wohnungsbau, sondern auch die Rekommunalisierung von Wohneigentum (kurz: Vergesellschaftung) gehöre für sie zwingend zum Konzept der Linken. Schwerdtner erinnerte in dem Interview an den Berliner Volksentscheid zur Enteignung großer Immobilienkonzerne: "Die Mehrheit will genau das, und was demokratisch entschieden wird, nehmen wir beim Wort." Welche Rolle das Thema in den Berliner Koalitionsgesprächen spielen wird? Aus ihrer Sicht sei völlig klar: "Das werden wir offensiv einbringen." Offenbar setzt sie darauf, dass ihre Parteikollegin Elif Eralp die Forderung kompromisslos vertritt. Ein Rückzieher scheint ausgeschlossen – jedenfalls vorerst.
Ines Schwerdtner bekennt sich in aktuellen Interviews weiterhin klar zur Enteignung großer Wohnkonzerne in Berlin und sieht darin eine gerechtfertigte, wenn auch kostspielige Antwort auf die Wohnungsnot. Die Linke will dem Druck der Bürgerinnen und Bürger, wie er durch den Berliner Volksentscheid verdeutlicht wurde, konsequent nachkommen und die Vergesellschaftung als zentrale Bedingung in Koalitionsverhandlungen einbringen. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass nicht nur die rechtliche Umsetzbarkeit, sondern auch die Finanzierung solcher Maßnahmen bisher heftig umstritten sind, und einige Stimmen warnen davor, Wohnungsmärkte durch Enteignungen weiter zu destabilisieren. Ergänzend zeigt die aktuelle Recherche, dass die Diskussion bundesweit immer wieder aufflammt, etwa bei Initiativen, die Mietendeckel fordern, während Immobilienunternehmer und konservative Politiker regelmäßig vor den Folgen staatlicher Eingriffe warnen. In den letzten Tagen ist das Thema auch im Zusammenhang mit drohender Zwangsräumung von Mietern sowie steigenden Energiekosten für Haushalte brisant geworden.