Mehr ausländische Berufsabschlüsse in Deutschland anerkannt – Wachstum verlangsamt sich

2025 wurden erneut mehr im Ausland erworbene Berufsabschlüsse in Deutschland anerkannt, doch das beeindruckende Wachstum der Vorjahre flacht ab. Laut Statistischem Bundesamt gab es rund 86.600 positive Bescheide – fast zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor, aber weit entfernt vom Boom der Jahre davor.

heute 08:52 Uhr | 2 mal gelesen

Wer 2025 einen ausländischen Berufsabschluss anerkennen lassen wollte, hatte statistisch gesehen gute Chancen: Rund 84 Prozent der befürworteten Anerkennungen bezogen sich auf Berufe, für die bundesrechtliche Regeln gelten; gerade einmal 16 Prozent betrafen Berufe mit landesrechtlicher Zuständigkeit. Die Gesamtzahl der bearbeiteten Anerkennungsanträge lag bei 102.900, davon 76.200 Neuanträge – ein Plus von sieben Prozent im Jahresvergleich. In Relation zum stetigen Anstieg der Vorjahre ist das allerdings weniger spektakulär. Aus der Türkei kamen auch diesmal die meisten anerkannten Qualifikationen, gefolgt von der Ukraine, Syrien, Indien und Tunesien. Interessant: Während syrische Qualifikationen mit weitem Abstand am stärksten zulegten (plus 42 Prozent), war bei Anträgen aus Bosnien und Herzegowina ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen. In den vergangenen Jahren gehörte das Balkanland zu den Spitzenreitern, nun sind es nur noch drei Prozent aller positiven Bescheide. Besonders gefragt – wenig überraschend – sind weiterhin Pflegeberufe: Jede dritte Anerkennung betraf 2025 dieses Feld. Auf den Plätzen folgen Ärztinnen und Ärzte sowie Ingenieur*innen. Zusammen dominieren diese drei Berufsgruppen die Statistiken mit satten 58 Prozent Anteil.

Das Thema Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist in Deutschland aktueller denn je, auch vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels. Trotz des verlangsamten Wachstums bleibt die Quote der anerkannten Anträge hoch, insbesondere in systemrelevanten Bereichen wie Pflege und Medizin. Internationale Entwicklungen, darunter die zunehmenden Anträge aus der Ukraine und Syrien im Zuge von Krisen und Migrationsbewegungen, prägen die Statistiken ebenso wie die sinkende Bedeutung traditioneller Herkunftsländer wie Bosnien und Herzegowina. Für viele Zugewanderte bleibt der Weg zur vollen Anerkennung aber bürokratisch komplex, trotz zahlreicher politischer Initiativen zur Vereinfachung. Laut „Süddeutscher Zeitung“ und „FAZ“ tragen vereinfachte Verfahren und Digitalisierung in manchen Bundesländern bereits zur Beschleunigung der Anerkennungsprozesse bei – der Unterschied zwischen Theorie und Praxiserfahrung ist regional jedoch teils erheblich. Auch die Bedeutung von Sprachkenntnissen und Anpassungsmaßnahmen für bestimmte Berufe, beispielsweise im medizinischen Bereich, wird in aktuellen Hintergrundberichten mehrfach hervorgehoben. Durch das am 1. März 2024 in Kraft getretene reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden Anerkennungen künftig vermutlich noch einfacher und schneller möglich sein – dies ist aber kein Selbstläufer, denn Fragen zu Qualitätssicherung und Arbeitsbedingungen stehen ebenfalls im Raum.

Schlagwort aus diesem Artikel