Investitionspläne deutscher Selbständiger steigen leicht – Unsicherheit bleibt hoch

Ein Fünftel der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland plant höhere Investitionen, aber Unsicherheit und Skepsis dämpfen die Stimmung.

heute 07:53 Uhr | 4 mal gelesen

Da sitze ich also, lese die neueste Ifo-Umfrage zu den kleineren Unternehmen und frage mich, ob das zarte Pflänzchen Hoffnung tatsächlich den deutschen Wirtschaftswald durchdringt. 21 Prozent der selbständigen Unternehmer geben an, dieses Jahr mehr zu investieren als im Vorjahr. Das ist zwar ein Zuwachs gegenüber dem letzten November (damals waren es nur 18,2 Prozent), aber wirklich in die Stimmung eines Investitionsbooms mag das nicht versetzen. Katrin Demmelhuber vom Ifo-Institut schlägt einen nachdenklichen Ton an: "Es ist ein positives Signal, aber ohne dauerhaft klare Bedingungen bleibt ein echter Aufschwung kaum denkbar." Fast die Hälfte der Solo-Selbständigen und Minifirmen bleibt erst einmal vorsichtig und plant, genauso viel zu investieren wie schon im letzten Jahr. Die Zahl jener, die ihre Investitionen zurückfahren wollen, ist zwar gesunken (31,9 statt 36,3 Prozent) – dennoch bleibt die Skepsis spürbar. Im übrigen Mittelstand ist die Investitionsneigung mit 28,4 Prozent sogar noch etwas ausgeprägter. Interessant finde ich: Während das Investitionsvorhaben also minimal zulegen konnte, zeigt die Stimmungskurve in eine andere Richtung. Die Geschäftserwartungen – im März von ohnehin schon mageren -15,1 auf satte -26,0 Punkte gefallen –, signalisieren keine Euphorie. Auch der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex rutscht weiter auf -20,8 Punkte ab. Gleichzeitig wird die Zukunft für viele schwerer einzuschätzen: Erstaunliche 36,4 Prozent der Befragten wissen schlichtweg nicht, wohin die Reise bei ihnen selbst geht (im Vormonat waren es noch 32 Prozent). Schon ein etwas trüber Ausblick, wenn man ehrlich ist. Für die Umsetzung geplanter Investitionen bleibt die Finanzierung das Nadelöhr. Erfreulich immerhin – der Anteil derjenigen Selbständigen, die keine Kreditzusage bekommen, sinkt: 34,6 Prozent (zuvor 47,6). In der Gesamtwirtschaft sieht es ähnlich aus. Nur: Kaum einer der Kleinen verhandelt überhaupt mit Banken – gerade mal 10,5 Prozent gegenüber 26,4 Prozent im Rest der Wirtschaft. Vielleicht eine Mischung aus Vorsicht, Frust oder Misstrauen? Wer weiß.

Die Investitionsbereitschaft unter Selbständigen in Deutschland steigt zwar langsam, bleibt jedoch unter dem Niveau anderer Wirtschaftsbereiche. Während die Zahl der geplanten Investitionen leicht zunimmt und die Kredithürden sinken, verschlechtert sich das Geschäftsklima merklich – vor allem aufgrund großer Unsicherheit in der Branche. Aktuelle Analysen zeigen: Steigende Betriebskosten, Unsicherheit hinsichtlich Regulierungen und schleppende Digitalisierung hemmen weiterhin den Optimismus; laut Übereinstimmung mehrerer Experten bleibt es entscheidend, dass die Politik für mehr Stabilität und bessere Rahmenbedingungen sorgt. Zusätzliche Rechercheergebnisse: Im digitalen Bereich sehen viele Selbständige Nachholbedarf, besonders in puncto Fördermittel und Digitalisierungshilfen – Berichte auf Seiten wie t3n deuten an, dass gezielte Unterstützungsmaßnahmen die Investitionsbereitschaft massiv fördern könnten. In den letzten Tagen wurde zudem diskutiert, wie geopolitische Unsicherheiten (wie etwa der US-Wahlkampf oder die angespannte Lage auf den Weltmärkten) kleine Unternehmen besonders sensibel für Marktschwankungen machen. Experten weisen außerdem darauf hin, dass psychosoziale Faktoren – etwa Erschöpfung oder Zukunftsangst nach der Pandemie – momentan wieder stärker spürbar sind.

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