Jens Spahn machte in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" einen durchaus bemerkenswerten Vorschlag: Er könne sich vorstellen, sämtliche Grundnahrungsmittel künftig ganz von der Mehrwertsteuer zu befreien. Mit Blick auf die jüngsten Preisanstiege beim Öl und bei Sprit als Folge der globalen Krisen, etwa dem Konflikt im Nahen Osten, sieht Spahn darin einen Weg, die Inflation einzudämmen. Gerade für Menschen mit kleinerem Geldbeutel sei das ein spürbarer Gewinn, denn diese geben ohnehin einen Großteil ihres Einkommens für Lebensnotwendiges wie Miete und Essen aus. Während Mieten ohnehin nicht mit Mehrwertsteuer belastet werden, wäre die Abschaffung dieser Steuer bei Lebensmitteln laut Spahn ein zusätzlicher, gezielter Ausgleich. Allerdings dämpft er die Erwartungen ein wenig: Am Ende müsse alles Teil eines größeren Maßnahmepaketes sein – nicht zuletzt angesichts der angespannten Lage des Bundeshaushalts. Es stünden im politischen Raum verschiedene Ideen zur Debatte, unter anderem auch mögliche Erhöhungen der Mehrwertsteuer an anderen Stellen. Für Spahn gibt es sowohl wirtschaftliche Gründe für, aber auch politische Gründe gegen eine Mehrwertsteuer-Erhöhung insgesamt. Welche Maßnahmen letztlich umgesetzt werden, solle zuerst intern, dann auch öffentlich besprochen werden.
Die Idee, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel vollständig zu streichen, steht erneut im Fokus der politischen Diskussion in Deutschland. Hintergrund sind wachsende Bedenken bezüglich der Inflation und die finanziellen Belastungen für Haushalte mit geringem Einkommen. Während Spahn argumentiert, dass eine solche Maßnahme gezielt Geringverdiener entlasten könnte, weisen einige Experten darauf hin, dass die tatsächliche Wirkung auf die Verbraucherpreise aus verschiedenen Gründen unsicher bleibt und Unternehmen nicht zwangsläufig die gesamte Steuerersparnis weitergeben. Auch der Gesamtzustand des Staatshaushaltes bleibt ein zu berücksichtigender Faktor – manche warnen bereits vor Einnahmeausfällen, die an anderer Stelle kompensiert werden müssten. Laut der Süddeutschen Zeitung, Spiegel und Zeit wird das Thema aktuell kontrovers diskutiert – Bundesfinanzminister Lindner etwa plädiert für gezieltere Hilfen, während Sozialverbände und Verbraucherschützer die Spahn-Initiative überwiegend begrüßen, allerdings konkrete Nachbesserungen fordern. In anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Irland wurden vorübergehende Mehrwertsteuer-Senkungen bereits getestet, dies führte allerdings teilweise zu weniger deutlichen Preisrückgängen als erhofft.