Manchmal kommt ein Kipppunkt überraschend. Was bei der Washington Post passiert, fühlt sich aber eher an wie das Ende eines langen Dramas: Massenhafte Kündigungen, zusammengestrichene Redaktionsteams, und letztlich der Rückzug aus dem aufwendigen, teuren Recherche-Journalismus. Für die breite Masse? Schnelle Häppchen, algorithmisch sortiert und leicht verdaulich wie Chips aus der Tüte. Die Zeiten, in denen Information Gemeingut war, scheinen vorbei – der exklusive Club der gut Informierten kehrt zurück. Das alles klingt ziemlich nach „Brot und Spiele“: Wer sich’s leisten kann, bekommt fundierte Analysen serviert, der Rest lebt in einer Dauerbeschallung aus Fun und Clickbait. Und was, wenn Europa denselben Kurs nimmt? Ethik pro Austria macht jedenfalls drei ziemlich plausible Skizzen auf, die einem das Blut in den Adern stocken lassen – keine davon ermutigend.
Erstens: Simulierter Pluralismus. Klingt erst mal super demokratisch, ist es aber nicht. Was bleibt, ist die Illusion von Vielfalt: viele Nachrichten, generiert und gestreamlined von Künstlicher Intelligenz, scheinbar allerlei Perspektiven, aber verlieren an Tiefe. Die Inhalte werden oberflächlich, die Faktenlage immer dünner. Pluralismus ist dann nur noch Design, kein gelebter Wert.
Zweitens taucht der Elitenjournalismus wieder auf. Diejenigen, die zahlen – oder dazugehören – erhalten Zugang zu fundierter Recherche und exklusiven Hintergrundberichten. Historisch war das nie anders: Zeitungen waren mal das Sprachrohr der Reichen und Mächtigen. Jetzt rollt die Geschichte zurück – Wahrheit wird wieder zur elitären Ware.
Drittens bleibt nur noch: Journalismus, der sich in den Schutz der Stiftungs- und Mäzenfinanzierung flüchtet. Hochwertige Recherchen gibt es dann nur mit finanzieller Lebenserhaltungsmaschine im Rücken – das sorgt für Unabhängigkeit vom Klick-Druck, aber auch für neue Abhängigkeiten von Geldgebern und Stiftungsinteressen. Kein Allheilmittel.
Was vereint alle drei Wege? Künstliche Intelligenz beschleunigt die Entwicklung drastisch. Nicht mal durch böse Absicht, sondern durch Effizienz und Austauschbarkeit: Journalistischer Tiefgang wird teuer, Durchschnittscontent spottbillig – kein einfacher Ort, um als Redaktion zu überleben.
Am Ende drängt sich der bitterste Gedanke auf: Wenn demokratische Gesellschaften zulassen, dass gute Information zum Luxus für Wenige wird, verlieren sie eines ihrer Fundamente. Die feuersichere Mauer gegen Manipulation und Machtmissbrauch bröckelt. Der Elitejournalismus ist keine ferne Dystopie mehr – er läuft bereits. Aufhalten? Vielleicht, aber nur, wenn Öffentlichkeit, Mediennutzer und Politik sich jetzt zusammentun – und nicht irgendwann, wenn der letzte investigative Bericht zum Statussymbol geworden ist.
Der Artikel zeichnet das Bild einer Medienlandschaft auf der Kippe: Die traditionelle Rolle des Journalismus als Kontrollinstanz und öffentliches Gut erodiert rapide. Drei Szenarien drohen – oberflächliche Content-Flut für alle, exklusiver Journalismus nur für Eliten, oder Überleben durch Stiftungsgeld, jeweils beschleunigt durch Einsatz von KI, die Recherche arbeitslos macht und Austauschbarkeit vorantreibt. Inzwischen häufen sich in der internationalen Presselandschaft Nachrichten über weitere Sparwellen, Zentralisierung von Redaktionen und Bestrebungen, den hochwertigen Journalismus durch öffentliche oder private Finanzierung am Leben zu halten; große deutsche Zeitungen berichten etwa von Sparprogrammen beim Spiegel, anhaltenden Debatten um öffentlich-rechtliche Medien und einer spürbaren Verschiebung in Richtung digitalisierter, personalisierter Nachrichtenangebote.