"Endlich mal erwachsen werden, außenpolitisch!" – so lautete sinngemäß die Forderung von Annalena Baerbock, die seit kurzem einen Schreibtisch bei den Vereinten Nationen in New York ihr Eigen nennt. Die EU habe mit ihrem Binnenmarkt ein echtes Pfund – aber statt dieses politisch zu nutzen, tappe Europa oft in Angst- und Abhängigkeitsspiralen. Baerbock zielt auf eine europäische Strategie, die über klassische Diplomatie hinausgeht: Mehr Mut, klare Kante, besonders wenn Desinformation und plötzliche Drohungen wie Handelsbarrieren im Raum stehen – wie jüngst beim Grönland-Disput mit den USA. "Fällt man aus Angst in Schweigen oder gibt sogar die Solidarität auf, dann sitzt Europa am Katzentisch", warnt sie. Klar, Beziehungen – auch transatlantische – sind keine Einbahnstraßen. Manchmal bröselt das Vertrauensfundament, weil Interessen auseinanderdriften. Baerbock weiß: Das tut weh, ist aber kein Grund, die Debatte auf wirtschaftlicher oder verteidigungspolitischer Ebene absterben zu lassen. Jetzt, in Zeiten neuen weltweiten Kräftemessens, sieht sie darin eigentlich weniger Risiko als vielmehr eine echte Chance.
Mit Blick auf die veränderte Weltlage – viele Machtzentren, schwankende Allianzen – plädiert Baerbock für ein selbstbewussteres Europa. Die Souveränität der EU hänge davon ab, wie geeint und entschlossen sie auftritt, besonders gegenüber Großmächten wie den USA oder China. Neue Entwicklungen zeigen zudem, dass Europa dringender denn je alternative Allianzen und eine eigenständige Außenwirtschaftspolitik braucht, um flexibel und unabhängig reagieren zu können.
Aktuelle Presseberichte bekräftigen Baerbocks Ansatz: So wird auf der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet, dass die EU-Staaten lautstärker ihre Interessen vertreten, während neue globale Krisen (z.B. Nahost, Ukraine, technologische Abhängigkeiten) für zusätzliche Unsicherheit sorgen. Auch internationale Handelsfragen und Europas Rolle im Wettbewerb mit US-Technologiekonzernen sowie chinesischen Firmen stehen verstärkt im Rampenlicht. In Politik und Medien wird debattiert, wie ein souveräner europäischer Kurs aussehen könnte, ohne die transatlantische Freundschaft zu gefährden.