„Es zieht sich alles wie Kaugummi“, klagte Lars Klingbeil am Donnerstag während der Beratungen der sechs größten EU-Länder im E6-Format. Die Abstimmung über die Kapitalmarktunion? Für ihn geht das viel zu langsam. Dabei, so betont er, dreht sich die Welt bekanntermaßen nicht um Europa allein – und schon gar nicht bleibt sie für uns stehen. Mit der angestrebten Reform will die EU gegenüber den USA und China aufholen, was Investitionen betrifft. Klingbeil sieht da einen Knackpunkt: Es reiche eben nicht aus, auf Staatsgelder zu setzen, vielmehr müssten private Investoren ins Boot geholt werden. Seiner Ansicht nach könne ein gemeinsamer europäischer Kapitalmarkt zur echten Schlüsselfigur werden. Interessant ist ja, dass Klingbeil in Gesprächen immer wieder auf die Attraktivität Europas hingewiesen wird – aber, wie er unterstreicht, das Ziel müsse sein, der führende Wirtschaftsstandort weltweit zu werden. Allerdings ist bei der Marktaufsicht einiges strittig: Sollen mehr Kompetenzen bei der ESMA liegen oder wie bislang eher bei nationalen Behörden wie der Bafin? An dem Punkt hakt es gewaltig. Klingbeil bleibt diplomatisch, betont aber, dass nationale Egoismen überwunden werden müssen. Für ein starkes Europa, so meint er, brauche es Bereitschaft zum Kompromiss – und manchmal müsse auch Deutschland über eigene Interessen und den berühmten „Tellerrand“ hinausschauen.
Lars Klingbeil sieht dringenden Handlungsbedarf bei den stockenden Verhandlungen zur europäischen Kapitalmarktunion. Er bemängelt, dass andere Regionen der Welt, insbesondere die USA und China, bei der Mobilisierung von privaten Investitionen deutlich schneller vorankommen und Europa droht, wirtschaftlich abgehängt zu werden. Der zentrale Streitpunkt bleibt die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörden – EU-weit zentralisiert oder doch stärker national verankert –, was für langwierige Debatten sorgt.
Aktuell berichten zahlreiche Medien, dass auch die Finanzmärkte weiterhin Wachstumsimpulse aus einer gestärkten Kapitalmarktunion erwarten. In Diskussionen werden regelmäßig die Herausforderungen durch unterschiedliche Steuergesetze, Investorenschutz-Standards und Vorgaben zur Transparenz angeführt. Einige Politiker und Wirtschaftsexpert:innen fordern eine baldige Einigung, um die Attraktivität des europäischen Wirtschaftsraums nachhaltig zu verbessern und Innovationen besser finanzieren zu können.